Kalenderblatt zum 5. Januar

   Die grauen Mönche sind fit für die Reformation in Wismar

Am 5. Januar 1255 wird erstmalig das Kloster der Franziskaner, die schon seit 1251 in Wismar ansäs-sig wurden, erwähnt. So stand im Chor der alten Klosterkirche folgendes: „Im Jahre des Herrn 1251 wurden die Franziskaner in der Stadt Wismar aufgenommen…..“. Der mecklenburgische Herzog Johann I. hatte ihnen einen Platz in der Nähe der Kirche zum Heiligen Kreuz zugewiesen, vermutlich der heutige Platz an der Großen Stadtschule.
Die Franziskaner gehörten ebenso wie die Dominikaner, die ab 1293 in Wismar ansässig waren, zu den Bettelorden. In Wismar gab es neben diesen beiden Klöstern noch die Hospitäler zum Heiligen Geist und St. Jakob. Außerdem kamen die drei Konvente der Beginen hinzu. Sie alle hatten eine Aufgabe im sozialen Gefüge und Leben der Stadt. Die Franziskaner, auch wegen ihrer fehlenden Schuhbekleidung, auch Barfüßer genannt, waren für Kranke und Aussätzige da, und erbettelten sich in den Straßen Wismars ihr Essen und ihre Kleidung. Diese bestand aus einfachen grauen Stof-fen, deshalb auch die Bezeichnung „Graue Mönche“. Sie waren vornehmlich für die einfachen Bür-ger, wie Handwerker dar. Da die Masse der Bürger überhaupt keine Schulbildung bekamen, wand-ten Sie sich, wenn es um Schreiben und Lesen ging, an die Geistlichen in der Stadt und hier waren es vornehmlich die Franziskaner im Grauen Kloster an der heutigen Schulstraße. Sie nahmen sich des „kleinen Mannes“ an und waren besonders für die Handwerkerzünfte die Ansprechpartner in Bildungsangelegenheiten und sogar in Krankheitsfällen. Die Franziskaner durften auch kein Geld annehmen und so verwaltete der Wismarer Rat für die Mönche ihre finanziellen Angelegenheiten. Ihre Klosteranlage errichteten sie selbst, doch durch ihre Verbundenheit mit und in der Stadt hat-ten sie im Handwerk und bei den Bürgern viele Helfer und Unterstützer. 1348 soll die Klosterkirche geweiht worden sein. Hier war neben vielen Angehörigen des mecklenburgischen Fürstenhauses, wie Fürstin Anastasia, die Frau von Fürst Heinrich dem Pilger, auch deren Sohn Johann begraben, der 1289 vor Poel ertrank, sowie das Grab der Schabbels. 1816 ist die Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen und 1914 ist an diese Stelle eine Turnhalle erbaut. Von der alten Kirche existiert nur noch die Glocke, die 1819 an die Kirche zu Proseken verkauft wurde.
Die Grauen Mönche verließen, wie auch bei anderen Orden zu beobachten waren, ihre Ordensre-geln und es gab auch in Wismar heftig Verstöße dagegen. Sie schafften sich Güter an oder vergnüg-ten sich in der Stadt. Erst eine Ordensreform, angeordnet durch die Ordensoberen, der sich auch die Grauen Mönche aus Wismar anschlossen, sicherte ihnen die Zukunft. So schreibt der Wismarer Rat 1515 an den Papst, dass „ er die Brüder der Huld des Papstes empfiehlt, da sie ganz nach den Erneuerungen des Generalvikars arbeiten und der Bischof von Ratzeburg, stellt ihnen ein gutes Zeugnis aus, „da Verhalten und Leben der Mönche in Wismar stets lobenswert und den Ordensre-geln entsprechend gewesen.“
Besonders interessant im Lutherjahr 2017, ist die maßgebliche Mitwirkung der Grauen Mönche an der Einführung der Reformation in Wismar. Auf Bitten des Mecklenburger Herzogs predigte der Schweriner Hofprediger Heinrich Möllens Ostern 1524 in St. Georgen gegen die „Heuchelei der Pfaffen und Mönche“. Der Franziskaner Mönch Heinrich Never hielt am gleichen Tage eine Predigt in der Mönchskirche im evangelischen Sinne. Er hatte 1523 mit seinem Mönchsbruder Clemens Timme die Mönchskutte abgelegt. Zwar widersetzte sich der Klostervorsteher Nikolaus Fink diesem Treiben, doch der Wismarer Rat setzte ihn kurzerhand ab und Heinrich Never wurde am 14. März 1525 Guardian des Grauen Klosters. Damit war ein großes Zeichen gesetzt und die Reformation entwickelte in Wismar ihre eigene sehr schnelle Dynamik.
Die Dominikaner hielten zwar an ihrer alten Lehre fest, 1562 gab der letzte Prior des Klosters sein Amt auf und damit hörte auch das Kloster auf zu existieren, doch die Franziskaner verließen das Kloster. Nun begann der Rat mit Heinrich Never über die Übergabe der Klosterschätze zu verhan-deln, was zögerlich geschah. Teilweise wird über Diebstahl aus der Schatzkammer berichtet und der Rat sah hier die Notwendigkeit eines sofortigen Handelns. Er brauchte aber auch das Geld für seine schon immer klamme Haushaltskasse. Ab 1541 durfte im Kloster keine religiöse Handlung mehr durchgeführt werden und Heinrich Never verlor sein Amt als Priester, da er sich mehr zu der Lehre von Calvin und seinen Wiedertäufern hingezogen fühlte. Bedeutsam ist der 29. September 1541 als hier am Michaelistag die Gründung der Großen Stadtschule im Grauen Kloster der Franziskaner vollzogen wurde. Zwischen 1544 und 1554 wurde es zu Schulzwecken umgebaut. Bis dahin benutz-ten die Schüler die Räumlichkeiten der „Marienschule“, der später ab 1569 sogenannten „Alten Schule“. Die Schulstraße selbst wird 1680 als „Schul=Straße“ bezeichnet. Seit 1948 heißt die Schule „Geschwister-Scholl Oberschule“ und erhält 1991 den Namen „Große Stadtschule – Geschwister Scholl Gymnasium“.
Die ABC Straße hat in ihren Namen im Ursprung der Reformation. Sie fand erste urkundliche Er-wähnung um 1279 als „Straße hinter den Minderbrüdern“ oder „achter den grauen monken“, nach dem dahinter liegenden Grauen Kloster der Franziskaner. Nach der Reformation ließ der Wismarer Rat aus dem Vermögen des Klosters hier Mietshäuser errichten, deren Einnahmen für die im alten Kloster errichtete Stadtschule verwendet wurden. Die Häuser wurden mit den Buchstaben von A bis M gekennzeichnet und schnell entstand der Name ABC-Straße.

Was sonst noch geschah
5. Januar 1897 Robert Förster geboren (Flugkapitän und Werksflieger bei Dornier Wismar), verstor-ben am 30. März 1997 in Wismar.
5. Januar 1948 Eröffnung der ehemaligen Polizei- und SS-Kaserne zur Poliklinik am Lindengarten (Med.-Rat Dr. Claus Peters).
6. Januar 2015 Der Wismarer Maler und Grafiker Rolf Möller verstorben.
7. Januar 1632 Wallensteins Truppen kapitulieren vor den Schweden und geben Wismar frei.
7. Januar 1993 Eröffnung des digitalen Fernsprechknotens am Friedenshof.
8. Januar 1885 Einrichtung einer Allgemeinen Ortskasse in Wismar.
9. Januar 1807 Dr. Gustav Meyer wird in Grundshagen bei Klütz geboren. Er war der Erbauer eines „Orthopädischen Institutes“ 1851 am Turner Weg. Gestorben 8. Mai 1881.
9. Januar 1814 Der Maler Carl Canow geboren.

Detlef Schmidt

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