Kalenderblatt zum 5. März

Kalenderblatt zum 5. März 2014

Die Treue der Bürger….

Seit dem 5. März 1906 ist über der Rathaustür eine Platte mit dem lateinischen Spruch „ROBUR PRINCIPES EST FIDES CIVIUM. ANNO 1688“ angebracht. Übersetzt hat der Spruch durchaus politische Qualitäten, denn mit „Die Stärke des Fürsten ist die Treue der Bürger“ ist sehr viel ausgesagt. Zumindest haben die politischen Kräfte vor 1990 dies nicht mehr beachtet, denn die Bürger hatten ihnen schon lange die Treue versagt und ohne Bürger ist eben kein Staat zu machen. Das sollten neben den  mecklenburgischen Herzögen auch alle diejenigen beachten, die in der Stadt Verantwortung tragen. Anderseits gibt es den Bürgern die Verpflichtung auf, dem Staat treu zu dienen. So macht eben der Spruch Sinn und unsere Vorfahren haben sich sicherlich etwas dabei gedacht.

Die Wismarer hatten diese Inschrift  1688 an der zur Stadt zeigenden Front des neuen Mecklenburger Tores an der unteren Dankwartstraße angebracht. Sicher, um den Bürgern bei der Ausfahrt in Richtung Landeshauptstadt nachdrücklich auf den Weg zu geben – „mein lieber Landesherr und Herzog, ohne uns bist Du nichts“ aber auch zu mahnen, dass man gegenüber seinem Landesherren auch Verpflichtungen hat. Das Mecklenburger Tor stand aber ursprünglich an der Mecklenburger Straße und war ein sehr repräsentatives Doppeltor. Reste des alten Tores waren am unteren Ende der Mecklenburger Straße noch 1894 erhalten und erst 1903 ist die Straße zur Lindenstraße geöffnet worden. Um 1688 ist das alte Mecklenburger Tor verschlossen worden und man baute am unteren Ende der Dankwartstraße ein neues Tor. Bis dahin war die Dankwartstraße eine Sackgasse. Das neue Mecklenburger Tor war ein in der Mauer eingelassenes einfaches Bogen Tor. In der damaligen Zeit hatte man kein Geld mehr übrig, um großartige Bauten zu errichten. Die Besatzung der Schweden kostete Geld und die gerade abgezogenen Dänen machten das Leben auch nicht leichter. Am neuen Tor selbst waren zwei Wappen angebracht und ebenfalls eine lateinische Inschrift, die übersetzt lautete: „Uns schirmt der Höchste, uns hütet die Rechte Jehovas und sie verwahrt und festigt die alten Tore“ und eben stadtseitig die Inschrift, die jetzt über der Rathaustür prangt und seither Bürger wie Rat  mahnt gegenseitig zu achten. Ab der Mitte des 19. Jahrhundert begann es aber an der Wismarer Stadtbefestigung zu bröckeln. Im Bereich des Bahnhofes hatte man schon eine Bresche in die Stadtmauer gehauen und am 1. Juli 1866 wurden die städtischen Torwachen in Pension geschickt. Der Wismarer Rat und die Bürgerschaft hatten entschieden, die Befestigungen abzureißen. Nach den jahrhundertelangen Benachteiligungen durch Besetzungen und Kriege, wollte man die Voraussetzungen für freien Handel und Gewerbe schaffen. Da störten die Tore nur. Das Mecklenburger Tor in der Dankwartstraße wurde in der Nacht vom 22. zum 23. Mai 1869 abgebrochen. Die außen angebrachten Wappen befinden sich seitdem an der Straßengiebelseite des Zeughauses – man warf eben nichts weg. Die Platte aber mit der mahnenden Inschrift wurde erst 36 Jahre später über der Rathauseingangstür angebracht. Wer weiß, wieviel Zeit zum Überlegen der Wismarer Rat sich nehmen musste, um diese Inschrift dauerhaft anzubringen, die eben auch die Bürger an ihre Verpflichtung erinnert.

Bei der Gelegenheit möchte ich noch auf die lateinische Inschrift an der Westseite des Rates hinweisen, die übersetzt lautet: „Zum Wohle des Gemeinwesens erbaut: 1817/19“.

 Weitere Ereignisse in dieser Woche:

  1. März 1819 Gründung Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ in Mecklenburger Straße 6.
  2. März 1933 NSDAP Ortsgruppenführer Alfred Pleuger „rät“ Bürgermeister Dr. Heinz Brechling (SPD) in „Urlaub“ zu gehen. Nazis übernehmen die Macht. Der 2. Bürgermeister Dr. Franz Plog übernimmt das Amt übergangsweise.
  3. März 1933 Die SA hisst auf dem Rathaus die Hakenkreuzfahne der Nazis und Alfred Pleuger verkündete die „nationale Revolution“.
  4. März 1946 Stadtbaurat Arthur Eulert nimmt sich und seinen vier Kindern in der Altwismarstraße 6 das Leben

Detlef Schmidt

 

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