Kalenderblatt zum 5. Oktober

Rekord im Seehafen 

Am 5. Oktober 1973 gibt es im damaligen Volkseigenen Betrieb (VEB) Seehafen e    in Umschlagsjubiläum: Die fünfzigmillionste Tonne seit 1946 wird im Hafen umgeschlagen. Eine beachtliche Leistung gegenüber der Vorkriegsumschlagsmenge, wobei nahezu 50 Prozent des Umschlages Kali war.

Der Name „Wismar“ ist erstmals 1147 erwähnt, als der dänische König Sven Grade in „Wizmar Havn“ – der Wismarer Bucht – landete. Der Name „Hafen“ ist hier irreführend. Gemeint ist ein Ankerplatz. Den Hafengeburtstag feiert Wismar im Januar, als am 4. Januar 1211  Kaiser Otto IV.  im süditalienischen Capua, wo er auf der Reise nach Süditalien und Sizilien im Winterlager war, eine Urkunde von 1209 bestätigte, die  „den lieben Bürgern zu Schwerin eine beliebige Anzahl von kleineren Schiffen und zwei größeren Schiffen im Hafen von Wismar zu halten gestattet“. Diese Urkunde geht aber auf eine Fälschung zurück, die durch eine falsche Abschrift einer Urkunde von 1167 entstanden ist.

Der nunmehr über 800jährigen Hafen ist das wirtschaftliche Herzstück der Hansestadt, die somit jünger ist. Noch heute richten sich angesiedelte Industriezweige auf den Hafen aus und nutzen dessen Logistik. Bis in das auslaufende 19. Jahrhundert erfüllte der heutige Alte Hafen mit seinem um 1770 fertiggestelltem Baumhaus und dem Speicher von 1862 die vielfältigen Aufgaben. 1893 erfolgte der Durchstich am Baumhaus zum Neuen Hafen und somit zur entscheidenden Erweiterung. Ebenso wie der ab 1909 geschaffene Holzhafen und der Westhafen. Die Umschlagmengen mit etwa 300-tausend Tonnen als Spitzenergebnis muten aus heutiger Sicht bescheiden an. 1927 wurde das Seegrenzschlachthaus errichtet, das den seeseitigen Vieh Im- und Export erhöhen sollte. Die zwischen 1935 und 1940 erbauten Speicher auf der Lastadie waren enorm wichtig für den Getreidetransport, jedoch stagnierten die Umschläge, die neben Getreide auch Kohle beinhalteten. Über 200-tausend Tonnen kam man nicht mehr und der 2. Weltkrieg brachte ihn nahezu zum Erliegen. Das Seegrenzschlachthaus erlitt Bombenschäden und wurde nach dem Krieg per Befehl vom 13. August 1951 demontiert.

1945 war an einem normalen Hafenbetrieb nicht zu denken. Anlagen waren zerstört, das Fahrwasser war vermint und auch die für die Sicherheit dringend notwendigen Leuchtfeuer funktionierten nicht. Am 3. April 1946 gründete sich die DERUTRA AG (Deutsch-Russische-Transport AG), die mit der Beauftragung zur Instandsetzung des Hafens begann. Mit dem Befehl zur Übertragung der Rechtsträgerschaft des Hafens am 8. April 1946 an die Stadt, erhielt Wismar, wenn auch nur formell, die Hoheit über seinen Hafen, die schon am 1. Mai 1947 wieder endete. Endgültige Ordnung schafft man am 1.Januar 1952  als durch eine Verordnung über die Einrichtung von VEB Seehafenumschlagsbetrieben aus der Hafengemeinschaft Wismar  der Volkseigene Betrieb (VEB) Seehafen Wismar gegründet wird. Ab 1946 setzen umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen ein, wie die Instandsetzung von Lagerbunker zu Kalibunker. Die erste Kalihalle ist am 23. Juni 1951 fertiggestellt. Kali wird bis zur Wende, neben Stückgüter, den größten Bereich der Umschlagmenge ausmachen. 1973 hatte der Hafen schon ein Jahresergebnis von etwa drei Millionen Tonnen erreicht. Dieses Ergebnis wurde in den Folgejahren bis kurz unter die fünf Mio. Tonnen noch gesteigert, doch die politische Wende ab 1989 setzte hier eine deutliche Zäsur. Von etwa 1.300 Hafenarbeiter blieben zunächst nur noch 200 Mitarbeiter übrig. Der Kaliumschlag ging drastisch zurück und wurde über Hamburg verladen. Am 15. Juni 1990 wurde der Seehafenbetrieb in eine GmbH umgewandelt und am 17. Juni 1991 (Treuhandvertrag vom 25.3.1991) erhielt die Hansestadt Wismar ihren Hafen nach 40 Jahren wieder zurück. Gesellschafter sind heute die Hansestadt Wismar mit 90 Prozent und das Land Mecklenburg-Vorpommern zu zehn Prozent. Nach dem Wegfall der Kalitransporte mussten neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Heute hat der Hafen Bedeutung vor allem für Massengüter und massenhafte Stückgüter. Hauptgutarten sind Rund- und Schnittholz, Stahl und Schrott, Torf, Baustoffe und über die Ende der 1990er Jahre komplett neu gebaute Massengutanlage, Kali und Salz. Der Hafen bietet insgesamt 15 Liegeplätze mit 2300 Meter Kailänge und zwei Dalbenplätze. Jährlich laufen den Wismarer meeresoffenen und gezeitenfreien Hafen etwa 1300 Schiffen aller Größenordnungen an. Der Gesamtumschlag im Hafen von Wismar betrug 2013 8,6 Mio. Tonnen, gegenüber von 2012 mit 7,8 Mio. Tonnen. Ein neues Geschäftsfeld haben sich die Hafenbetreiber mit dem am 9. September 2012 gegründeten „Columbus Cruise Center Wismar“ versprochen, das nach anfänglichen Verzögerungen 2014, 15 Kreuzfahrtschiffe empfangen konnte. Für das kommende Jahr gibt es schon Buchungen und wird Auftrieb auch für Wismars Handel bringen. So schließt sich der Kreis, wo ohne Hafen „nichts ist“ aber mit Hafen „alles ist“ und sich als „Herz der Stadt beweist“.

Was sonst noch geschah

  1. Oktober 1892 Erste Telefonverbindung von der Lotsenstelle im Baumhaus mit der Lotsenstation in Timmendorf.
  2. Oktober 1902 Einweihung der „Hansa“ in der ABC Straße, Vereinslokal der Sozialdemokratie und Gewerkschaften.
  3. Oktober 2004 Beginn der Vorabendfernsehserie „SOKO Wismar“ im ZDF.
  4. Oktober 1907 Einweihung des Lyzeum am Turnplatz (Turnplatzschule, zu DDR-Zeiten „DSF Schule – Schule der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“).
  5. Oktober 1903 Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Fortunatus Ludwig Heinrich Friedrich von Oertzen wegen seiner Verdienste bei der Rückgabe Wismars an das Deutsche Reich.
  6. Oktober 1945 Die Niederdeutsche Bühne spielt wieder im Theater.
  7. Oktober 1627 Kapitulation unter Wallensteinscher Belagerung. Wallensteins kaiserliche Armee unter Oberst von Arnim besetzt Wismar.
  8. Oktober 1945 Bodenreform im Kreis Wismar, 94 Güter mit 17.695 ha aufgeteilt.
  9. Oktober 1949 die Karstadt AG in Essen protestiert gegen die Zwangsenteignung des Wismarer Stammhauses.

Detlef Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

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