Kalenderblatt zum 6. Dezember

Von „Wismarschen Intelligentz= und andere Nachrichten“
Seit über 250 Jahren erscheinen in Wismar Zeitungen

Am 6. Dezember 1749 erschien mit der ersten Ausgabe der „Wismarschen Intelligentz = und andere Nachrichten“ die erste regelmäßig erscheinende Zei-tung in Wismar.
Das Wort „Zeitung“ war ursprünglich der Begriff für eine beliebi-ge Nachricht. Heute versteht man darunter ein periodisch erscheinen-des Druckerzeugnis. Die erste Tageszeitung der Welt kam 1650 in Leipzig mit der „Einkommenden Zeitung“ heraus. Diese erschienen an sechs Tagen in der Woche. Die 1703 in Wien herausgebrachte „Wiener Zeitung“ ist die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Ihren Höhepunkt erlebte die Zeitung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gegenwärtig gibt es in Deutschland etwa 362 Tages- und Sonntagszeitungen mit einer Tagesauflage von 20 Millionen Exemplaren. Hierbei sind die unzähligen Anzeigenblätter nicht mit eingerechnet.
1677 hatte sich der Wismarer Rat nach Hamburg gewandt, da in der dorti-gen Zeitung nichts über Wismar stand, worauf die Hamburger antworten, dass sie keinen Korrespondenten in Wismar haben. Mehrere Versuche einer Zeitungsgründung scheiterten, ehe nun am 6. Dezember 1749 die erste Aus-gabe der „Wismarschen Intelligentzen“ erschien, die jedoch schon nach 26 Ausgaben am 6. Juni 1750 ihr Erscheinen einstellte. Darauf folgten die „Wismarsche wöchentliche historische Nachrichten“, denen von 1750 bis 1751 auch kein langes Leben beschieden war. Ab Februar 1755 erschienen wieder in unregelmäßigen Abständen die „Wismarschen Intelligentzen“ ehe ab dem 2. Oktober 1783 mit den „Wismarschen privilegierten wöchentlichen Nachrichten“ eine Zeitung herauskam, die fortan regelmäßig erschien. Den Herausgebern war wichtig, „daß in den Anzeigen und Nachrichten nichts er-scheinen müsse, so auf irgendeine Art der Religion, dem Anstande und guten Sitten zuwider sey oder die Ehrerbietung für Regenten und die hohe Obrig-keit und die Achtung fürs Publikum und Privat-Personen beleidigen könne“.
Nach einer Unterbrechung von acht Jahren folgten die „Politischen Neuigkei-ten“, die aber am 28. Dezember 1796 ihr Erscheinen wiedereinstellten. Gleichzeitig wurde von Dr. Gröning das „Wismarsche Wochenblatt mit an-gehängten Anzeigen“ herausgegeben. Der Bezugspreis betrug pro Ausgabe einen Schilling, doch zum Ende des Jahres 1796 stellte die kleine Zeitung wegen fehlender Käufer ihr Erscheinen ein. Die „Politischen Neuigkeiten“ wurden 1800 mit den „Wismarschen politischen Neuigkeiten“ fortgesetzt, die dann 1802 wiederum in „Wismarsche Zeitung“ umbenannt wurde. Alle da-maligen Zeitungen besaßen ein sehr kleines Format und hatten zumeist vier Blätter. Darauf wurde die bekannte aktuelle Lage in der Welt und Mecklen-burg erläutert, Schiffsankünfte angezeigt und kleine Verkaufs- und Woh-nungsanzeigen, aber auch Konkurse veröffentlicht. Lokalnachrichten kannte man weniger. Die „Wismarsche Zeitung“ erschien zweimal wöchentlich und ab 1848 dreimal wöchentlich in einem größeren Format.
Am 15. April 1867 erhielt der Wismarer Verleger Carl Dethloff Hinstorff die Konzession für die „Neue Wismarsche Zeitung“, die dann am 1. März 1877 auf das herausgegebene „Mecklenburger Tageblatt“ mit dem Lokalteil „Wis-marsche Zeitung“ überging. Diese Zeitung erschien ununterbrochen 68 Jahre bis zum Februar 1945 in der ehemaligen Hinstorffschen Druckerei Hinter dem Rathaus 15 in Wismar. Zwischenzeitlich hatte die 2. Wismarer Tages-zeitung „Mecklenburgische Ostseezeitung“ vom 19. September 1893 bis En-de Mai 1894 ein kurzes Intermezzo. Die Nazis brachten in Wismar den vom Gauleiter Friedrich Hildebrandt 1927 gegründeten „Niederdeutschen Be-obachter“ als ideologisches Sprachrohr der Nazis heraus.
Noch vor Ende des 2. Weltkrieges stellten die Wismarer Zeitungen ihr Er-scheinen ein und die englischen und später russischen Besatzungsmächte brachten ihre Anordnungen und Befehl auf Plakatanschläge und Handzetteln heraus.
Nachdem im August 1945 laut Anordnung der Besatzungsmächte wieder Zeitungen herausgegeben werden durften, erschien am 13. April 1946 die „Landeszeitung“, schon damals der SED gehörig mit einem Wismarer Lokal-teil. Die „Wismarsche Nachrichten“ kamen als reines wöchentliches Mittei-lungsblatt am 13. September 1946 heraus. Beide Zeitungen erleichterten den Aufbau einer neuen Administration in einem völlig zerstörten System im-mens.
Nach der Verwaltungsneuordnung in der DDR von Ländern in Bezirken, erschien am 15. August 1952 mit der OSTSEE-ZEITUNG bis heute Wis-mars einzige regionale Tageszeitung. Mit der gesellschaftlichen Umstruk-turierung 1989 begann auch die Zeitung, sich von ihrer alten umklam-mernden Parteistruktur zu lösen, indem sich die Belegschaft der Ostsee-Zeitung sich in einem basisdemokratischen Prozess von ihrem Herausge-ber, der SED-Bezirksleitung Rostock, lossagte. Am 22. Januar 1990 er-scheint die Ostsee-Zeitung erstmalig mit neuer Unterzeile „Die Unabhän-gige im Norden“ und 1994 wird sie zur besten europäischen Zeitung des Jahres gewählt, eine Auszeichnung, die nicht von ungefähr kommt. Zwi-schenzeitlich erscheinen in Wismar neben der regionalen „Ostsee-Zeitung“, mit dem „Ostsee-Anzeiger“ dem „Wismarer Blitz“, dem „Wismarer Markt“ und der „Wismar-Zeitung“ weitere wöchentlich erscheinende Pres-seerzeugnisse vornehmlich für den Anzeigenkunden.

Was sonst noch geschah:
7. Dezember 1927 Gesellschaftsvertrag der „Seegrenzschlachthaus Wis-mar GmbH“ zur Einrichtung eines Schlachthauses am Hafen.
8. Dezember 1734 Wismarer Bäcker beschwerten sich mit einer Schmäh-schrift am Wismarer Rathaus über ungleiche Behandlung und „Preistrei-berey“.
8. Dezember 1703 Ein Orkan wirft den 40 Meter hohen Turmhelm von St. Nikolai auf das Mittelschiff. Starke Zerstörungen und zwei Tote. Erst 1867 konnten die Gewölbe wiederhergerichtet werden und der gesamte Innenraum ist 1880/81 restauriert worden. Der Turm ist heute 54 Meter hoch.
8. Dezember 1989 Demonstration vor dem Haus der SED-Kreisleitung und symbolische Besetzung des Hauses.
9. Dezember 1541 Gründung der Großen Stadtschule im Grauen Kloster der Franziskaner. Seit 1948 heißt die Schule „Geschwister-Scholl Oberschule“ und erhält 1991 den Namen „Große Stadtschule – Geschwister Scholl Gym-nasium“.
10. zum 11. Dezember 1950 Verhaftung Pfarrer Robert Lansemann. Nach ihm wird 2013 die Freie Evangelische Schule benannt.

Detlef Schmidt

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