Kalenderblatt zum 6. Juni

Die Wismarer haben heute Geburtstag

Ein genaues Datum zur Gründung der Hansestadt Wismar gibt es nicht und doch spielt der 6. Juni 1229 eine bedeutsame Rolle in der Stadtgeschichte. Am 6. Juni 1229 stellt der mecklenburgische Landesfürst Johann I. eine Urkunde aus, die „seinen Bürger ein Stück Land bei der Köppernitz und….“ überlässt. Hier wird zum ersten Mal über die „Bürger Wismars“ geschrieben und Bürger waren immer die Einwohner einer Stadt. So wird 1229 auch als das Gründungsjahr Wismars angenommen, wobei man davon ausgehen kann, dass die planmäßige Besiedlung schon etwas früher begonnen hat. Die Lage der Region um Wismar mit der gezeitenlosen und vom Meer durch vorgelagerte Inseln geschützten Bucht, mag schon uraltes Siedlungsgebiet gewesen sein, doch 1147 wird erstmalig der Name „Wismar“ erwähnt, als der dänische König Sven Grade in der Wismar-Bucht, dem „Wizmar-Haven“, ankerte. Ebenso der Dänenkönig Waldemar, der hier 1164 in „Wizmar-Haven“ ankam. Auf beide Erwähnungen lässt sich die gefälschte Urkunde vom 4. Januar 1211 zurückführen, als Kaiser Otto „den lieben Bürger zu Schwerin eine beliebige Anzahl von kleineren Schiffen und zwei größeren Schiffen im Hafen von Wismar zu halten gestattet“. Sie ist auf eine falsche Abschrift einer Bistumsgrenzen-Urkunde von 1167 zurückzuführen

Über die Namensherkunft gibt es ebenso viele Versionen, von denen kaum eine glaubhaft überzeugend wirkt. Es wird lediglich auf eine Siedlung im Bereich des heutigen Soldatenfriedhofes an der Rostocker Straße verwiesen, die „Alt-Wismar“ hieß und heute noch durch die Altwismarstraße erwähnt wird. 1167 wurde durch Heinrich dem Löwen eine Urkunde unterschrieben, wo die Grenzen des Bistums Ratzeburg aufgezeigt wurden und da wird „ad aquem Wissemaram“ als östliche Grenze des Bistums erwähnt. Also ein Fluss- oder Bach Name, denn eine „Aa“ ist der skandinavische Name dafür.

Der Ortsname „Wismar“ kommt insgesamt fünfmal vor, dabei ein Ort in der Uckermark bei Strasburg, bei Gießen, in der Altmark und bei Stettin. In Schweden gibt es eine „Herrschaft Wismar“, die ebenfalls nicht unbedingt wendischen Ursprung ist.

Die heutige Stadt Wismar ist aus einer planmäßigen Ansiedlung entstanden. Die im 12. und 13. Jahrhundert fortschreitende Christianisierung der ehemals slawischen und wendischen Bevölkerung machte die rasche Ansiedlung möglich. Wismar auf einem dreikuppigen Hügel gelegen und ausgestattet mit einer für damaligen Verhältnisse guten Verkehrsinfrastruktur mit alten Handelsstraßen und dem gezeitenlosen Hafen, boten ausgezeichnete Voraussetzungen für einen überlebensnotwendigen Handel. Die Stadt wuchs sehr schnell über seine Ausmaße hinaus, so dass schon um 1250 mit einer sich an die Altstadt anschließenden „Neustadt“ begonnen wurde. Neben dem Heiligen Geist Hospital entstanden zwei Klöster und der Bau der drei großen Kirchen wurde begonnen, bzw. ihrer Vorgängerbauten.

Am 9. September 1259 schlossen die Städte Lübeck, Wismar und Rostock einen Schutzbund gegen die Seeräuberei, woraus sich das „Wendische Quartier der Hanse“ entwickelte. Wismar führte das „Lübische Stadtrecht“ ein, das 1266 durch den mecklenburgischen Herzog und Landesfürsten Heinrich I. bestätigt wurde. Johann I. hatte schon 1257 seinen Sitz vom heutigen Dorf Mecklenburg in die Nähe der neuen Stadt verlegt. Sein Sohn, Heinrich I. „der Pilger“ ging 1271 auf Pilgerfahrt in das „Heilige Land“ und wurde auf dem Weg dorthin 25 Jahre in Ägypten gefangen gehalten. 1298 kehrte er nach Wismar zurück und sah sich plötzlich durch die immer mehr selbstbewussteren Wismarer ausgegrenzt. Sie hatten zwischenzeitlich eine über drei Kilometer lange und etwa sechs bis acht Meter hohe Stadtmauer errichtet und dabei die herzogliche Burg vor die Toren der Stadt auf dem Weberkamp gelassen. Dieser befand sich ungefähr dort, wo heute eine Tankstelle an der Dr.-Leber-Straße steht. Es setzte ein jahrelanger, mitunter auch militärischer, Streit ein, der den Wismarern ein Teil ihrer Privilegien kostete und letztendlich gaben sie den mecklenburgischen Herzögen einen Platz an der St. Georgen-Kirche frei, dem heutigen Fürstenhof. Die Privilegien und Rechte waren den kühl rechnenden Wismarer Hanseaten lieber. Heinrichs I. Sohn, Heinrich II., durfte auch eine Mauer um sein Gehöft bauen, aber nur so hoch, dass man auch darüber gucken konnte – „sicher ist sicher“. Die Stadt blieb als bedeutendste Stadt im Fürstentum bis 1358 Residenzstadt der mecklenburgischen Fürsten. Nach genau 100 Jahren Aufenthalt in der stolzen Hansestadt Wismar,  verlegten die mecklenburgischen Fürsten 1358 ihren Sitz nach Schwerin. Dort hatte man es wohl weniger mit solch bisweilen „renitenten“ Bürger zu tun – und so ist es bis heute geblieben.

Was geschah sonst noch?

  1. Juni 1940 Erster grundloser Fliegeralarm im 2. Weltkrieg in Wismar.
  2. Juni 1907 Der Gefangenenturm wird während eines schweren Gewitters von einem sogenannten kalten Schlage getroffen und beschädigt.
    12. Juni 1859 Archivrat Dr. Friedrich Techen in Hegede 7 geboren. Gestorben 30.März 1936 in Wandsbek.
  3. Juni 1997 Gründungstag FC Anker Wismar von 1997 e.V..

Detlef Schmidt

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 − drei =