Kalenderblatt zum 7. April

Tragik in der Nachkriegszeit

Wismars langjähriger Stadtbaurat Arthur Eulert ist am 7. April 1890 in Rostock geboren. Sein Lebenswerk wird in der Wismarer Geschichte aber immer überschattet werden durch den Mord an seinen fünf kleinen Kindern und den Mordversuch an seine Ehefrau Gertrud in der Nacht zum 3. März 1946 in der Altwismarstraße 6 (heute 23), das wegen der ehemals davor-stehenden Säulen auch Säulenhaus genannt wurde.
Er studierte bis 1913 an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg und ist danach zum Militärdienst eingezogen, wo er nach einer Verletzung an der Schulter, die ihn fortan zeit-lebens behinderte, entlassen wurde. Erfolgreich legte er die erforderliche Staatsprüfung als Regierungsbauführer und nach Zwischenstationen in seiner Heimatstadt Rostock, bewarb er sich erfolgreich in Wismar als Stadtbaumeister für den Hochbau, das er am 16. April 1920 antrat. Zum Stadtbaurat wurde er am 7. August 1924 ernannt und war somit für das gesamte städtische Bauwesen verantwortlich. Man kann heute resümieren, dass Arthur Eulert ab 1920 wesentlich das Stadtbild prägte. Das 1926 in der Schatterau 25 erbaute Fernsprechamt gehört zu seinen ersten Werken als Neubau und ist im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ von ihm entwickelt und erbaut. Es ist ein dreigeschossiger Bau mit Walmdach. Die seitlichen Achsen im Erd- und Obergeschoss sind vorgezogen, die Portale in den Mittelachsen sind rundbogig. Weitaus populärer ist jedoch der Neubau der städtischen Feuerwache an der Frischen Grube 13, der am 5. September 1928 eingeweiht wurde. Der expressionistische Klinkerbau lehnt sich an das bekannte „Chile-Haus“ in Hamburg an und wird heute gerne als architektonisches Bei-spiel mit angeführt. Sein Bemühen um die ästhetische Synthese von modernem Zweckbau und historisch geprägtem Stadt Umfeld ist unverkennbar. So griff er auf die typischen sparsamen Schmuck Elemente der norddeutschen Backsteingotik zurück mit spitzbogig gebrochenen Tür- und Fenster Rahmungen oder vorgelagerten Pfeilern. Auch in der konsequenten Verwendung des Ziegels als Baumaterial verwies Eulert auf heimische Traditionen der norddeutschen Backsteinarchitektur. Dennoch liegt im Entwurf die Betonung auf der sachlichen Funktionaltät der 1920er Jahre. Seine Handschrift trägt auch das Schabbelhaus, in dem am 18. Juni 1933 das neu gestaltete Heimatmuseum erstmalig eröffnet wurde. An vielen Sanierungsarbeiten, wie dem Zeughaus, das am 30. Juli 1935 nach erfolgreichem Umbau zur Nutzung der Ingeni-eursakademie übergeben wurde, ist Eulert maßgeblich beteiligt. Akribisch hat Arthur Eulert seine Arbeiten dokumentiert und sind so für die Nachwelt gut im Stadtarchiv erhalten.
Besonders in Erinnerung sind seine zahlreichen Zeichnungen, Radierungen und Aquarelle, die er schon in seiner Berliner Studienzeit anfertigte und später kontinuierlich fortsetzte. Er setzte mit seinen Zeichnungen seiner Heimatstadt Rostock ein bleibendes Denkmal und für unsere Stadt sind seine Radierungen zu Wismar ganz begehrte Sammlerobjekte.
Nach Aussagen von Zeitgenossen war Arthur Eulert im persönlichen wie im beruflichen nicht immer einfach, bekam so auch Probleme mit seinem Arbeitgeber, dem Wismarer Rat. Die Kriegszeit brachte für ihn in Wismar aufgrund des hohen Zerstörungsgrades aufreibende Arbeiten und es ist schon vorstellbar, dass ihn der letzte Luftangriff mit der Zerstörung des Go-tischen Viertels arg getroffen hat. Arthur Eulert war nie ein Mitglied der NSDAP, was nicht unbedingt Rückschlüsse auf seine persönliche Einstellung ziehen muss. Was ihn zu der schrecklichen Bluttat am 3. März 1946 verleiten ließ, kann nur vermutet werden. Jedenfalls war er schon am 10. September 1945 auf die neue gesellschaftliche Ordnung im Wismarer Rathaus vereidigt worden, was gleichermaßen einer politischen „Säuberung“ gleichkam, so-dass ein politisch motivierter Grund für seine Tat möglicherweise auszuschließen ist.
Arthur Eulert hatte seine familiären Wurzeln in Rostock, wo seine Schwester mit dem jüdi-schen Rechtsanwalt Paul Bernhard, dem Bruder des Vorsitzenden der dortigen jüdischen Gemeinde, verheiratet war. Vermutlich, aber nicht belegbar, hat er erst nach der 1940 geglück-ten Ausreise seiner Schwester aus Deutschland deshalb begonnen eine Familie zu gründen, um eventuellen Nachfragen nach jüdischem Einfluss vorzubeugen. Im Alter von 50 Jahren heirate-te er am 8. August 1940 die 15 Jahre jüngere Gertrud Buls. Das Paar bekam in rascher Folge fünf Kinder, das erste wurde 1941 geboren und das jüngste war zum Tatzeitpunkt etwa neun Wochen alt. In einem amokartigen Blutrausch ermordete er diese in der Nacht auf dem 3. März 1946 und wollte auch seine Frau mit der Axt umbringen, was ihm nicht gelang und diese sich durch eine Flucht retten konnte. Anschließend nahm er sich das Leben. Arthur Eulert und seine Kinder wurden am 8.3.1946 in einem gemeinsamen Grab auf dem Wismarer Friedhof beigesetzt. Gertrud Eulert starb hochbetagt und geachtet am 1. Januar 1997 in Hamburg. Viele Gerüchte und Legenden um die schreckliche Tat spinnen sich seitdem um Eulert aber er ge-hört eben auch zur Gesichte Wismars.

Weitere Ereignisse in der Woche
6. April 1925 Adolf Hitler beauftragt Friedrich Hildebrandt mit dem Aufbau der NSDAP in Mecklenburg und Lübeck.
8. April 1946 Übertragung der Rechtsträgerschaft des Hafens auf die Stadt Wismar.
10. April 1919 Gründung der Volkshochschule Wismar im Fengers Gasthof, Breite Straße.
10. April 1933 Umbenennung Lindenstraße in Adolf-Hitler-Straße, Turnplatz in Horst-Wessel-Platz, Friedrich- Ebert- Damm in Parkstraße, Turnerweg in Schlageterallee.
11. April 2002 Der Wismarer Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) wird übergeben.

Detlef Schmidt

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