Kalenderblatt zum 7. August

Hochbrücke brachte spürbare Entlastung

Längste Spannbetonbrücke der DDR übergeben

Am 7. August 1970 ist die Hochbrücke über den Mühlenteich dem Verkehr übergeben worden. Es war ein schöner sonniger Freitag und die Vertreter von „Parteielite und Staat“ waren angetreten. Viele Bürger Wismars wollten sich diesen Augenblick nicht entgehen lassen. Die Fertigstellung der Hochbrücke war schon etwas Besonderes. 15 Millionen Mark der DDR betrugen die Investitionen und es war nicht gerade üblich, dass Kreisstädte eine derartige Investition erhalten. Zuerst war immer Berlin dran und dann die Bezirksstädte. Dann ging aber auch schon die „finanzielle Pumpe“ ins Aus. In Wismar war die Verkehrssituation in Richtung Rostock über die Rostocker Straße und die Bahngeleise am Platter Kamp, so prekär, dass man gar nicht anders konnte. Solche Investitionen blieben jedoch die Ausnahme im Arbeiter- und Bauernstaat, wo die, die an den Hebeln der Macht saßen, ihre Städte verschönerten.

Die Hochbrücke ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken und doch ist ihre Zeit gekommen, um etwas zu erneuern. Heute mag sich kaum einer sich noch vorstellen, wie es ohne Hochbrücke aussah und wie der Verkehr geleitet wurde.

Vor Fertigstellung der Hochbrücke „wälzte“ sich der gesamte Verkehr, einschließlich Personennahverkehr durch die Rostocker Straße, die durch den steigenden Verkehr auf der Straße und der Eisenbahn sich zu einem regelrechten Nadelöhr entwickelte. Die Eisenbahnschranke am Platter Kamp war nahezu berüchtigt für den Verkehr. Etwas übertrieben schätzten die Bürger, dass von 24 Stunden, die Schranke gut 18 Stunden geschlossen war! Lange Autostaus waren die Regel und wer mag sich heute vorzustellen, dass durch und über die jetzt unscheinbare Schrankenanlage der gesamte Verkehr Wismars in Richtung Rostock und Sternberg rollte. Bestrebungen, diesen Missstand zu ändern, gab es schon lange und so erwirkte man Mitte der sechziger Jahre einen zentralen Beschluss zum Bau einer Hochbrücke, der 1967 begann.

Wegen des schlechten Untergrundes gab es erhebliche Schwierigkeiten mit der Statik, die jedoch behoben werden konnte.

Ein Blick zurück in die Geschichte Wismars zeigt, dass die Stadt von Wasser aus Tümpel, Teichen und Gräben umschlossen war. Noch heute fährt man über Brücken, die man als solche kaum erkennt, in die Wismarer Altstadt. Im Mittelalter gehörten die Wasserläufe mit zum Verteidigungsring, den die Schweden für ihre Festungsbauten verfeinerten. Nach dem Abriss der Festungswerke ab 1721, blieb ein morastiger Untergrund vor den Stadtmauern zurück. Erkennbar ist das heute noch am Wohnquartier um die Grothusenschanze.

Am 7. August 1970 konnte die nunmehr 400 Meter lange Hochbrücke als damals längste Spannbetonbrücke der DDR dem Verkehr übergeben werden. Die gesamte Baulänge betrug etwas über einen Kilometer und kostete 15,3 Millionen Mark der DDR. Für damalige Verhältnisse eine stolze Summe.

Bis 2004 gab es keine Probleme und Störungen mit der Brücke. In diesen Jahren ist sie komplett überholt worden und vorsichtshalber ist durch Spurveränderungen die Brücke entlastet worden. Die Hochbrücke ist heute eine Landesstraße, das heißt, die Bauunterhaltung trägt das Land Mecklenburg-Vorpommern. Von der Kreuzung Philosophenweg bis Kreuzung Dr.-Leber-Straße misst sie 600 Meter, die nun einer Erneuerung braucht

Bei der 1968 bis 1970 erfolgten Umgestaltung des Kreuzungsbereiches Dr.-Leber-Straße und Kanalstraße, verschwand auch die alte Straßenführung mit Kanalstraße und Runde Straße und das Haus Bleicherweg 28, ehemals Kanalstraße, lag im Grund. Dieser Häuserblock war übrigens 1948 der erste Nachkriegsbau in Wismar, bevor 1949 am Flöter Weg die ersten Neubauten entstanden. Damals war das Material so knapp, dass die Dachrinnen aus Holz gefertigt wurden. Doch das ist nun auch schon wieder Geschichte. Am 24. November 2014 begannen die Abrissarbeiten der Häuser Bleicherweg 25, 26, 27 und 28. Es ist keine Neubebauung vorgesehen, sondern eine Rasenfläche. Der gesamte Bereich um die ehemalige Kanalstraße wurde am 25. August 1944 schwer zerstört. So notwendig die Hochbrücke war, so rücksichtslos ging man mit den Bürgern um, die unmittelbar neben der Hochbrücke am Platter Kamp und Bleicherweg wohnten.

Was sonst noch geschah
7. August 1931 Gottfried Kiesow, Ehrenbürger von Wismar 2004, geboren. Gestorben 7. November 2011.
9. August 1959 – 7. Hanseatenring-Rennen. Als Folge eines schweren Unfalls verstarb ein Fahrer aus Sachsen und zwei Zuschauer. Es gab neun Schwerverletzte. Das Rennen wurde abgebrochen.
10. August 1959 Eröffnung Betonwerk Lenensruher Weg.
12. August1949 Die Sportgemeinschaften „Wismar-Süd und der Schiffsreparaturwerft haben sich zur „Zentral-Sportgemeinschaft Anker“ zusammengeschlossen.
12. August 1951 Weihe der Neuen Kirche am St. Marien-Kirchhof nach einem Entwurf von Kirchen-baumeister Prof. Otto Bartning.
14. August 1935 Aufstellung eines Prangers auf dem Markt durch die Nazis.
15. August 1952 Die OSTSEE-ZEITUNG erscheint in Wismars als einzige regionale Tageszeitung.
15. August 1948 Einweihung des Ehrenfriedhofes der Roten Armee für 348 gefallene Militärangehö-rige auf dem Wischberg.

Detlef Schmidt

 

 

 

 

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