Kalenderblatt zum 7. Mai

Ein Haus mit jahrhundertealter Tradition
Am 7. Mai 1966 erhielt der Weinberg eine „Probierstube“

Am 7. Mai 1966 wurde im historischen „Weinberg“, Hinter dem Rathaus 3, eine „Verköstigungsstube“ des VEB Wismaria eröffnet und war somit die erste Vorstufe der späteren historischen Gaststätte.
1648 kaufte der aus den Niederlanden zugezogene Gödert Roterdam, der zuvor die Witwe des Ratskellermeisters Max Tanke geheiratet hatte, das um 1575 erbaute Haus Hinter dem Rathaus 3 und richtete hier eine Weinhand-lung ein. Der Zeitpunkt schien günstig, denn in diesem Jahr wurde Wismar schwedisch, die Garnison mit ihren Offizieren brauchten Abwechslung und nicht zuletzt die Richter und Anwälte des Tribunals, sorgten für einen guten Umsatz. Leider hielt diese gute Zeit nicht lange an, denn die schwedische Fes-tung wurde in alle militärischen Abenteuer der Schweden, wie mit den Dänen, die von 1675 bis 1680 in der Stadt waren und den Großen Nordischen Krieg 1700 bis 1720, hineingezogen. Jochem Ratke wurde der nächste Besit-zer des Hauses und 1710 kaufte der Ratsweinschenk Andreas Hein das Haus aus der Konkursmasse von Philipp Pommer. 1710 wurde auch das Haus umgebaut und die heute noch sichtbare barocke Fassade zur Straßenansicht errichtet. Aus dieser Zeit stammt auch die Figur des Weingottes Bacchus über der Eingangstür. Nach weiterem Eigentümerwechsel übernahm 1751 Matthias Schwartzkopff Haus und Weinhandlung. In diesem Jahr erhält das Haus erstmalig die Bezeichnung „zum Weinberg“ und wegen der ausgezeich-neten Qualität durfte der Eigentümer einen Weinkranz außen sichtbar an-bringen. Am 1. Oktober 1822 kaufte der 1794 geborene Ferdinand Gustav Michaelsen aus Vilz, Haus und Weinhandlung. Er war mit Caroline Wa-chenhusen, der Tochter eines angesehenen Wismarer Seidenkrämers verhei-ratet. Die Weinhandlung behielt zwar den Namen „zum Weinberg“ weiter aber die Firma hieß eben „F.G.Michaelis“.
Von da an bis 1953 war die Familie Michaelis Eigentümer der späteren Weingroßhandlung „F. G. Michaelis“. Sie prägte die geschmackvolle Innen-ausstattung des Hauses und besonders der Renaissancediele mit ihrer 1923 eingebauten barocken Treppe in das Obergeschoß. Der 1897 geborene Jo-hann Jürgen Michaelis, Sohn von Johann Michaelis, Direktor der Wismarer Girozentrale, war seit 1930 mit seinem Onkel Gustav Michaelis Mitinhaber. Gustav und Lilly Michaelis hatten zwei Söhne, die jung verstarben und so war dieser Familienzweig ohne Nachkommen. Am 19. Dezember 1941 nahm der Wismarer Rat die Verfügung des Testamentes der am 22. August 1941 verstorbenen letzten Eigentümerin des Hauses, Lilly Michaelis, an, wonach diese der Stadt Wismar das Haus mit Grundstück „auf ewig“ mit der Aufla-ge, es innen wie außen zu erhalten, vererbte.
1953 setzte eine regelrechte Hetzjagd auf private Unternehmer ein und Mi-chaelis wurde „beschuldigt“ Kronenkorken zu horten. Damals kam man schon für weniger in das Zuchthaus Dreibergen nach Bützow. Die Familie floh in den sicheren Westen. Im gleichen Jahr wurde die Enteignung des Tra-ditionsunternehmens „Weingroßhandel F. G. Michaelis“ angeordnet und im Januar 1954 übernahm der VEB „Wismaria“ dieses Haus.1973 wurde die Gaststätte von der damaligen Handelsorganisation (HO) eingerichtet. Am 16. April 2014 ist das Haus nach einem Sanierungsaufwand von 3,6 Mio Euro übergeben worden.

Was geschah weiter:
7. Mai 1945 Englische Besatzer erteilen eine Ausgangssperre von18-9 Uhr.
7. Mai 1945 Marschall Rokossowski trifft Feldmarschall Montgomery in der Unruh-Str. 7.
8. Mai 2010 Die St. Georgenkirche wird mit einem Festakt am 8.Mai wieder der Öffentlichkeit übergeben. 40 Millionen Euro wurden seit 1990 in das „Wunder von Wismar“ verbaut.
9. Mai 1908 Gründung der Ingenieurakademie in Wismar.
12. Mai 1945 Die Engländer veranstalten eine Siegesparade auf dem Markt.
12. Mai 1950 Erstes Schiff an der neuen Kaliverladeanlage abgefertigt.

Detlef Schmidt

 

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