Kalenderblatt zum 8. April

  Die Hansestadt Wismar erhielt ihren Hafen zurück

Am 8. April 1946 erließ die sowjetische Besatzungsmacht den Befehl, dass der Wismarer Ha-fen wieder in Rechtsträgerschaft der Hansestadt Wismar übertragen wird. Damit schien die Hansestadt wieder in ihre Jahrhunderte alte Rechte eingesetzt zu sein. Der Hafen ist untrenn-bar mit der Stadtgeschichte verbunden, war er doch eine der Gründe, warum sich im frühen 13. Jahrhundert hier Menschen ansiedelten, woraus sich die Stadt gründete. Da war es zum einen die alte Salzstraße, die hier von Lüneburg kommend vorbeiführte und zum anderen die gezeitenlose und durch die vorgelagerten Inseln Poel und Walfisch geschützte meeresoffene Bucht, die die Stadtgründung wesentlich beeinflussten. Deshalb war die Region um die heu-tige „Wismar-Bucht“ begehrtes Siedlungsland, wie man an den Funden bei Strömkendorf erkennen kann, aber auch begehrter Anlandeplatz. So taucht der Name „Wismar“ erstmals 1147 auf, als der dänische König Sven Grade in „Wizmar Havn“ – der Wismarer Bucht – lan-dete. Der Name „Hafen“ ist hier irreführend. Gemeint ist ein Ankerplatz. Den Hafengeburts-tag feiert Wismar im Januar, als Kaiser Otto IV. am 4. Januar 1211 im süditalienischen Capua eine Urkunde vom 21. Mai 1209 bestätigte, dass „den lieben Bürgern zu Schwerin eine belie-bige Anzahl von kleineren Schiffen und zwei größeren Schiffen im Hafen von Wismar zu hal-ten gestattet“. Diese Urkunde geht aber auf eine Fälschung zurück, die durch eine falsche Ab-schrift der Urkunde von 1167 entstanden ist. Der nunmehr über 800jährigen Hafen ist das wirtschaftliche Herzstück der Hansestadt, die somit jünger ist. Noch heute richten sich ange-siedelte Industriezweige auf den Hafen aus und nutzen dessen Logistik. Bis in das auslaufen-de 19. Jahrhundert erfüllte der heutige Alte Hafen mit seinem um 1775 fertiggestelltem Baumhaus und dem heutigen „Thormann-Speicher“ von 1862, die vielfältigen Aufgaben. 1893 erfolgte der Durchstich am Baumhaus zum Neuen Hafen und somit zur entscheidenden Erweiterung. Ebenso wie der ab 1909 geschaffene Holzhafen und der Westhafen. Die Um-schlagmengen mit etwa 300-tausend Tonnen als Spitzenergebnis muten aus heutiger Sicht be-scheiden an. 1927 wurde das Seegrenzschlachthaus errichtet, das den seeseitigen Vieh Im- und Export erhöhen sollte. Die zwischen 1935 und 1940 erbauten Speicher , wie der 1935 erbaute „Löwe-Speicher, der 1938 errichtete „Ohlerich-Speicher“ und der 1940 gebaute „Kruse-Speicher“ auf der Lastadie waren enorm wichtig für den Getreidetransport, jedoch stagnierten die Umschläge, die neben Getreide auch Kohle beinhalteten. Über 200-tausend Tonnen kam man nicht mehr und der 2. Weltkrieg brachte ihn nahezu zum Erliegen. Das See-grenzschlachthaus erlitt Bombenschäden und wurde nach dem Krieg per Befehl vom 13. Au-gust 1951 demontiert.
1945 war an einem normalen Hafenbetrieb nicht zu denken. Anlagen waren zerstört, das Fahrwasser war vermint und auch die für die Sicherheit dringend notwendigen Leuchtfeuer funktionierten nicht. Am 3. April 1946 gründete sich die DERUTRA AG (Deutsch-Russische-Transport AG), die mit der Beauftragung zur Instandsetzung des Hafens begann. Mit dem Befehl zur Übertragung der Rechtsträgerschaft des Hafens am 8. April 1946 an die Stadt, erhielt Wismar, wenn auch nur formell, die Hoheit über seinen Hafen, die schon am 1. Mai 1947 wieder endete. Endgültige Ordnung schafft man am 1.Januar 1952 als durch eine Verordnung über die Einrichtung von Volkseigenen Betrieben aus der Hafengemeinschaft Wismar der Volkseigene Betrieb (VEB) Seehafen Wismar gegründet wird. Das 1888 erbaute neogotische „Großherzogliche Zollhaus“ wurde bis 1996 Verwaltungssitz des VEB Seeha-fen. Ab 1946 setzen umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen ein, wie die Instandsetzung von Lagerbunker zu Kalibunker. Die erste Kalihalle ist am 23. Juni 1951 fertiggestellt. Kali machte bis zur Wende, neben Stückgüter, den größten Bereich der Umschlagmenge aus. Am 15. Juni 1990 wurde der Seehafen in eine GmbH umgewandelt und am 17. Juni 1991 (Treu-handvertrag vom 25.3.1991) erhielt die Hansestadt Wismar ihren Hafen nach 40 Jahren wie-der zurück. Gesellschafter sind heute die Hansestadt Wismar mit 90 Prozent und das Land Mecklenburg-Vorpommern zu zehn Prozent. Nach dem Wegfall der Kalitransporte mussten neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Heute hat der Hafen Bedeutung vor allem für Massengüter und massenhafte Stückgüter. Hauptgutarten sind Rund- und Schnittholz, Stahl und Schrott, Torf, Baustoffe und über die Ende der 1990er Jahre komplett neu gebaute Massengutanlage, Kali und Salz. Der Hafen bietet insgesamt 15 Liegeplätze mit 2300 Meter Kailänge und zwei Dalbenplätze. Jährlich laufen den Wismarer meeresoffenen und gezeiten-freien Hafen etwa 1300 Schiffen aller Größenordnungen an.
Die für Wismars Hafeneinfahrt typischen Schwedenköpfe stehen nach altem Vorbild wieder seit Juli 2003 auf ihren über 200 Jahren alten „Stammplätzen“ auf den Dalben. Zur Erinnerung an die Rückgabe des Hafens an die Hansestadt, wird jedes Jahr im Juni ein Hafenfest gefeiert. Das erste Fest fand am 19. Juni 1992 statt. Umfassende Sanierungen der Kaianlagen im Be-reich des Alten Hafen sind 2007 abgeschlossen. Das am 9. September 2012 gegründete „Co-lumbus Cruise Center Wismar“ macht Hoffnung auf Teilnahme am weltweit boomenden Kreuzfahrttourismus, der sich auch belebend für Handel und Gastronomie auswirken kann, denn von der Kai bis zum Markt sind es eben nur ein paar Schritt. Eine sorgsam abgewägte Bebauung auf der gesamten Hafenhalbinsel wertet diese auf. Sind nach der „Wende“ umfang-reiche Baumaßnahmen zur Sanierung in der gesamten Stadt zu erkennen, so hat sich das Bild des Hafens grundlegend gewandelt und sich im Bereich des Alten Hafen zu einer beliebten „Freizeitmeile“ entwickelt. Im Bereich des ehemalige „Holzhafen“ entstanden seit 2001 ein Technologie- und Forschungszentrum und ausreichend Fläche für weitere innovative Unter-nehmen.

Was sonst noch geschah
10. April 1919 Gründung der Volkshochschule Wismar im Fengers Gasthof, Breite Straße.
10. April 1933 Umbenennung Lindenstraße in Adolf-Hitler-Straße, Turnplatz in Horst-Wessel-Platz, Friedrich-Ebert-Damm in Parkstraße, Turnerweg in Schlageter-Allee.
11. April 2002 Der Wismarer Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) wird übergeben.
12. April 1990 Erste privatisierte Unternehmen sind „Eduard Dewenter Tiefbau“ und Brun-nenbau Böckler.
13. April 1946 Die „Landeszeitung“ erscheint erstmalig. Sie war der Vorläufer der ab 15. Au-gust 1952 erscheinenden „Ostsee-Zeitung“, die der SED gehörte und hatte einen Wismarer Lokalteil.
13. April 1988 Verleihung der Ehrenbürgerschaft an die Leichtathletin Marita Meier-Koch.
14. April 1921 Eingliederung der Landgemeinde Mittel Wendorf aus dem Amt Wismar in die Stadt und den selbstständigen Stadtbezirk Wismar.
14. April 1945 12. Luftangriff: Zerstörung von St. Marien, St. Georgen und die Alte Schule im Gotischen Viertel.
15. April 1945 BBC London meldet die „erfolgreiche Zerstörung“ der 35.000 Einwohner zäh-lenden Hansestadt Wismar.
16. April 2014 Das Haus Hinter dem Rathaus 3, „Der Weinberg“, wird nach Sanierung und Restaurierung seit 2011 übergeben.
17. April 1817 Die Bürger Wismars haben 14.000 Taler zur Wiederherstellung bzw. Neubau des Rathauses gespendet.

Detlef Schmidt

 

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