Kalenderblatt zum 8. Dezember

Ein Denkmal für Kaiser Wilhelm

Am 8. Dezember 1873 ist nach einem Entwurf des Wismarer Baumeisters und Architekten Heinrich Thormann das sogenannte „Kriegerdenkmal“ im Lindengarten eingeweiht. Erst 20 Jahre später am 8. Dezember 1895 wurden zwei Bronzetafeln mit einem Gewicht von 960 Kilogramm, mit den Namen der Gefallenen angebracht. Die Bronzetafeln sollten im 1. Welt-krieg zur Munitionsherstellung eingeschmolzen werden und sind am 24. April 1918 zum Ein-schmelzen versendet worden. 1927 sind diese Tafeln durch steinerne Tafeln des Bildhauers Behm erneuert worden. Unbeschadet stand es über 100 Jahre im Lindengarten und es muss wohl einigen DDR-Ideologen sauer aufgestoßen sein, die es 1974 abreißen ließen. Wie kann man Tote ehren und dann schon aus einem nach ihren Sprachgebrauch imperialistischen Krieg? Als ob es gute oder schlechte Tote gibt. In Deutschland ist die Deutsche Kriegsgräberfürsorge international tätig und sorgt sich um die Gefallenen. Im Frühjahr 1974 wurde das am Verbin-dungsweg zur Rostocker Straße stehende Denkmal über Nacht abgerissen und damit hatte man sich abzufinden.
Am 28. September 1815 ruft Wismars Stadtsekretär Johann Christoph Walter in einer Extra Beilage der Wismarer Zeitung zu einer Geld- und Sachspende zum Aufbau eines Parks vor dem Altwismartor auf. In der Wismarschen Zeitung vom 28. September 1815 erließ nun der Wismarer Rat dann die „Einladung zu einer Subskription zu den Kosten der Anlegung eines öffentlichen Spazierganges vor dem Altwismarthore“. Es wurden die Gartenbesitzer aufge-fordert, „entbehrliches, niedriges Gebüsch und blühende Gewächse“ für den Ausbau dieses Spazierganges zu spenden. Der Aufruf hatte einen großen Erfolg. In kurzer Zeit kamen 1.200 Taler zusammen. Man sah vor, „den großen wüsten Schuttplatz und Acker mit einer Parthie Linden“ bis zur „Rolandsbrücke“ am Wasserturm zu bepflanzen. Durch die neu angepflanzten Linden hatte der neue Platz rasch den Namen „Lindengarten“ erhalten, wie er dann auch in einer amtlichen Bekanntmachung vom 5. Dezember 1815 genannt wird.
Es gab mehrere Denkmale im 1815 angelegten Lindengarten. Für die Wismarer war es die erste Parkanlage vor der Stadt und sollte Teil einer die Stadt umfassenden Grünanlage wer-den. Ein eigenes Amt in der Stadt befasste sich nur mit dem Lindengarten, der sehr gepflegt wurde. Zum Schmuck des Parks gehörten eben auch Denkmale, wo man beim Spaziergang, sich Gedanken machen sollte. Kaisertreu, wie die Deutschen damals wohl waren, stimmten die Wismarer eben einem Denkmal für den Reichsgründer Wilhelm I. zu.
So wurde am 25. November 1888 im Lindengarten ein Denkmal für den deutschen Kaiser Wilhelm I. eingeweiht. Das Denkmal befand sich auf der Rasenfläche am Weg zum Bahnhof. Initiiert wurde das Denkmal durch die Wismarer Kriegs- und Militärvereine. Es ist seit langem verschwunden. Mit der Aufstellung des Kaiserdenkmals setzte sich auch in Wismar der von oben verordnete Personenkult durch. Befördert durch Kaiser Wilhelm II. wurden viele Denk-male seinem Großvater Kaiser Wilhelm I, gewidmet aber nach 1888 auch für Wilhelm II. Ins-gesamt zählt man in Deutschland 425 Denkmale für die beiden Wilhelm. Dazu noch unzählige „Wilhelmsstraße“, wie die „Claus-Jesup-Straße“, die schon um 1270 wegen des dort verlau-fenen Wasserlaufes als „Vogtsgrube“ und ab 1400 als „Faule Grube“ bezeichnet wird. 1875 erhielt sie nach dem deutschen Kaiser den Namen Wilhelmstraße. Am 20. August 1954 wurde sie in Claus-Jesup-Straße umbenannt. Der Webermeister Claus Jesup war der Anführer der Handwerkerunruhen im 15. Jahrhundert und soll an der Faulen Grube gewohnt haben.
Ein weiteres Denkmal ist die Büste von Fritz Reuter. Diese war 1897 ein Geschenk von Au-guste Hinstorff, der Witwe des Reuter-Verlegers Carl Dethloff Hinstorff, an die Stadt Wis-mar. Die Büste hatte im Lindengarten zwei Standorte. Das Fritz-Reuter Denkmal ist 1897 auf Kosten von Auguste Hinstorff vom Berliner Bildhauer Hermann Zimmermann im Lindengar-ten am Hauptweg zur Rostocker Straße aufgestellt worden. Wegen Umbauarbeiten im Lin-dengarten ab 1933 wurde die Büste an der Giebelseite zum Haus Bauhofstraße 7 etwas ver-steckt aufgestellt. Ab 1986 bemühte sich Joachim Ritter, Direktor der Fritz-Reuter-Schule in der Dahlmannstraße um das doch etwas versteckte Denkmal vor seine Schule zu setzen. Ge-meinsam mit Wolfgang Voß, Stadtrat für Kultur und Günter Faust, Denkmalpfleger der Stadt, gelang es ihm 1988. Am 10. Mai 1988 erhielt „Fritzing“ seinen letzten Standort vor der Fritz-Reuter-Schule in der Dahlmannstraße. Unbekannte stürzten die Büste in der Nacht vom 8. zum 9. November 1990 von ihrem Sockel. Der Schrecken war groß, doch Mitarbeiter des Bereiches Denkmalpflege der Hansestadt Wismar reparierten und restaurierten das Denkmal schnell. Es konnte 1991 zum 100. Schulgeburtstag wieder aufgestellt werden.
Insgesamt ist der 200 Jahre alte Lindengarten ein Naturdenkmal mit einem alten und sehr wertvollen Baumbestand. Darunter eine Eiche, die zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig 1913 gepflanzt wurde, und woran eine Tafel bis vor über zwanzig Jahren erinnerte und seitdem nicht mehr aufgestellt wurde.

Was sonst noch geschah
8. Dezember 1989 Demonstration vor das Haus der SED-Kreisleitung und symbolische Beset-zung des Hauses.
10. zum 11. Dezember 1950 Verhaftung Pfarrer Robert Lansemann. Nach ihm wird 2013 die Evangelische Schule benannt.
10. Dezember 1976 Das Bezirkskrankenhaus Wismar verleiht erstmalig den 1975 beschlosse-nen Dr.-Unruh-Preis. Damit wird der Initiator des Wismarer Krankenhauses geehrt. Der Ärzt-liche Direktor, Prof. Dr. Hans Wilcken, überreicht den Ärzten, Dr. Strantz, Dr. Jacobi und Dr. Nauwald, für ihre wissenschaftlichen medizinischen Leistungen diese Auszeichnung.
11. Dezember 1854 Geburt des Mediziners und Stadtphysikus Dr. Hugo Unruh im mecklen-burgischen Sudenhof bei Hagenow.
11. Dezember 1945 Der Wismarer Rat leitet die Wiedereinrichtung einer Städtischen Sparkas-se in die Wege.
11. Dezember 1989 Auf Anweisung der Regierung der DDR werden alle Kreisdienststellen des MfS sofort aufgelöst.
11. Dezember 1989 Erstmals fordern Bürger auf einer Montagsdemonstration des Neuen Fo-rums in Wismar auf dem Marienkirchplatz die Wiedervereinigung.
11. Dezember 1990 Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist in Wismar zu Gast.
13. Dezember 1849 Carl Dethloff Hinstorff bekommt in Wismar vom Rat die Zulassung als Bürger und Buchhändler.
13. Dezember 1989 Eine erst am 21. Juni 1989 an den ehemaligen SED-Kreisparteisekretär Karl-Heinz Kalusche (8.12.1925 – 31.1.1999) verliehene Ehrenbürgerschaft gab dieser am 13. Dezember 1989 selbst zurück, um einer Aberkennung zuvorzukommen. Ein etwas peinlicher Vorgang, denn diejenigen, die ihn vorgeschlagen hatten, forderten angesichts der politischen Wende nun mit einem Mal die Aberkennung.
13. Dezember 1997 Bundespräsident Roman Herzog zur Fernsehweihnachtssendung in St. Nikolai.
14. Dezember 1902 Gründung des Konsumvereins für Wismar und Umgegend, Erster Ge-schäftsführer ist Johann Oldach, geb. 1872, der am 22. Dezember 1902 gewählt wurde. (Ers-ter Laden Bohrstraße 11. Das Haus wurde am 30.10.1905 erworben und 1906 vom Konsum-verein erbaut).
14. Dezember 1905 Benennung der Kanalstraße (nach dem hier vorbeifließenden neuen Kanal der Waggonfabrik) und der Runden Straße (im II.Weltkrieg komplett zerstört und nicht wie-der aufgebaut).
14. Dezember 1923 Die Wismarer Kaufmanns-Kompagnie erwirbt die Häuser Lübsche Straße 21/23 vom am 31. Mai 1923 verstorbenen Justizrat Oskar Lembke. Es wird am 12. Juli 1924 als „Haus der Kaufmanns-Kompagnie“ eingeweiht.

Detlef Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 × vier =