Kalenderblatt zum 8. Februar

Wismarer Shantychor Blänke – 20 Jahre musikalischer Botschafter

Am 8. Februar 1997 trafen sich elf Männer der Marinekameradschaft Wismar im „Redentiner Gasthof“ in der Dankwartstraße 34, um einen Shantychor zu gründen. Aus der 1991 entstan-denen Wismarer Marinekameradschaft war schon 1996 die Idee entstanden, solch eine Chor zu gründen. Man schaltete Anzeigen und warb für den zu entstehenden Chor. Scheu wegen eventueller Unmusikalität galt es zu überwinden oder, dass man sich eventuell blamieren könnte, doch die Erfahrung zeigt, dass dies alles überflüssig war. Schnell begeisterten sie ihre Zuhörer und die Hafenstadt Wismar hatte ihren ersten maritimen Chor seit ihrer Gründung. Mit Hartmut Vitense wurde im Juni 1997 ein versierter Fachmann gefunden, der sie durch die Klippen steuerte und der bis 2011 ihr musikalischer Leiter war, ehe er Berufs- und umzugsbe-dingt diese Position aufgab. In Peter Herchenbach, einem Vollblutmusiker, hat er eine würdi-ge Nachfolge gefunden.
Wismar als nahezu 800jährige Hafenstadt hat vielfältige maritime Traditionen, jedoch erst mit der Gründung des Shantychores „Blänke“, wird auch das maritime Liedgut bewahrt und sehr schnell hat sich der Chor in das kulturelle Leben der Hansestadt etabliert.
Der Name des Chores kommt aus der „Christlichen Seefahrt“ und die „Blänke“ ist das erste Tageslicht am Morgen noch vor dem Sonnenaufgang, welches sich durch ein Glitzern am Ho-rizont ankündigt. Wer sich den Chor mit seinen Sängern bei ihren zahlreichen Auftritten ge-nauer anschaut, der wird dieses Glitzern auch in ihren Augen feststellen, so begeistert sind sie bei ihren Darbietungen.
Schnell hat es sich in der kulturellen Szene herumgesprochen, dass es in Wismar einen neuen Chor gibt und der Verein wuchs. Klaus Duwe hat den Verein organisatorisch mit aufgebaut und es gab schon Probleme, die jedoch durch die Freude am Gesang kleiner wurden. Heute zählt der Verein 44 Mitglieder. Davon sind im Chor 38 Sänger und in der Begleitband spielen vier Musiker. Der Altersdurchschnitt ist beachtlich, denn die Mitglieder sind so zwischen 50 Jahren und 80 Jahre alt, was der Qualität aber keinen Abbruch tut. Peter Frank, der die Ver-einsarbeit von Klaus Duwe übernommen hat, erzählt schmunzelnd: „Mit Nachwuchs haben wir keine Schwierigkeiten und das Singen haben wir hier schon jedem beigebracht. Wir haben Freude an der maritimen Musik und auch das plattdeutsche kommt hier nicht zu kurz.“ Es ist schon beachtlich, dass die Männer in ihrer schmucken Chorkleidung bis zu 50 Auftritte im Jahr haben und sogar international sind sie bekannt. 2003 waren sie nach Paris zum traditionel-len Neujahrssingen bei der UNESCO eingeladen und sicherlich war es eine Verbeugung an den im Jahr zuvor vergebenen Weltkulturerbetitel an Wismar. 2010 traten sie in Wismars schwedischer Partnerstadt Kalmar auf und begeisterten unsere schwedischen Freunde. Neben den Auftritten in Wismar, sind sie schon in der gesamten Bundesrepublik als „musikalischer Botschafter“ unserer Stadt aufgetreten und auch das Fernsehen war dabei. In ganz Nord-deutschland sind sie gern gesehene Gäste bei den verschiedensten Veranstaltungen. Dazwi-schen kamen noch CD Aufnahmen. Denn Geld muss auch in die Vereinskasse kommen. Dies alles erfordert eine gute Disziplin und jeden Donnerstag treffen sie sich zu Proben in Gägelow und sind froh, hier verständnisvolle Partner gefunden zu haben, die ihnen ihre Arbeit wesent-lich erleichtern. Peter Herchenbach als musikalischer Leiter setzt die tolle Leistung seines Vor-gängers mit eigenen Akzenten fort. War zur Gründung des Chores das Hauptaugenmerk auf Shantys gelegt, so erweiterte der Chor sein Repertoire auch auf plattdeutsche und regionale Lieder. Dieser Mix aus maritimer Tradition und heimischen Platt macht auch den unverwech-selbaren Reiz aus. Natürlich sind sie im Sommer oft am Hafen zu treffen und kein maritimer Höhepunkt ohne die „Blänke´s“. Unvergessen der Anblick des Chores mit dem Luxuskreuzer „Europa“ und anderen Wismar anlaufenden Kreuzfahrschiffe bei ihren Aufenthalten in Wis-mar. Die Wismarer Traditionssegler „Wissemara“ und „Atalanta“ haben sie oft bei den ver-schiedensten Anlässen zu Gast. Mit der Kogge „Wissemara“ haben sie sozusagen ein schwimmendes Clubheim. Daneben treten sie bei Unternehmensfesten, Stadtjubiläen und vie-ler weiterer Veranstaltungen auf. „Ich wünsche mir noch eine engere Zusammenarbeit mit dem Chor der Hansestadt Wismar, wobei natürlich jeder Chor seine Eigenständigkeit behalten soll“: so die Vision von Peter Herchenbach. Deshalb ist ein gemeinsames Konzert mit dem Chor der Hansestadt, dem Chor Perlmutt und dem Shantychor in der Markthalle geplant, das sicherlich zu den musikalischen „Leckerbissen“ in der Hansestadt gehören wird. In diesem Jahr gibt es jedoch zuerst am 10. Februar eine Jubiläumsfeier zum 20jährigen Bestehen des Chores im Wismarer Zeughaus. Sind die Männer auch alle mit Freude dabei, so darf man nicht den finanziellen Bedarf unterschätzen. Da der größte Teil der aktiven Mitglieder schon im Pensionsalter ist, können diese sich ihre Zeit einteilen. Das notwendige Geld kommt durch die vielen Auftritte hinein aber sie sind auch auf vielfältige Unterstützungen angewiesen. In der Hafenstadt Wismar lebt das seit Jahren wieder auf, was jahrhundertelang auch auf den Segel-schiffen in unserer Stadt aus rauer Kehle kam, der Shanty. Dass dieses maritime Kulturdenk-mal nicht untergeht ist ein Verdienst von „Blänke“, die dies auch weitertragen wollen.

Was sonst noch geschah
9. Februar 1961 Benennung der Dr.-Liebenthal-Straße durch Ratsbeschluss.
10. Februar 1948 Beginn der Bauarbeiten für ein neues Theater an der Parkstraße in der ehe-maligen Exerzierhalle der Infanteriekaserne.
14. Februar 1825 Bürgermeister Karl von Breitenstern (geb. 25. Juni 1777) gestorben. Er war Gründer des „Musikverein 1818“.
14.Februar 2000 Gründung des Fördervereins „Poeler Kogge e.V.“
15. Februar 1950 Der kommunale Stadtverkehr nimmt seinen Betrieb mit zwei Linien auf.
15. Februar 1890 Heinrich Thormann, Wismarer Architekt, gestorben. Geboren 18. April 1816.
16. Februar 1806 Rechtsanwalt Peter Düberg am Markt 10 geboren. Wortführer der Unruhen von 1830 und 1848.
16. Februar 1856 Rudolph Karstadt in Grevesmühlen geboren, gestorben am 19. Dezember 1944 in Schwerin.
15. Februar 1937 Übergabe des 196 Meter langen dreistöckigen Wohnblockes in der Rostocker Straße.
16. Februar 1934 Scheinauflösung der Wismarer Freimaurerloge.

Detlef Schmidt

 

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