Kalenderblatt zum 19. März

Kalenderblatt zum 19. März

 

Die Wismarer Märzgefallenen

Am 19. März 1920 fielen sieben Wismarer im Kampf gegen Freikorps Truppen

 

Am 13. März 1920 begann der nach fünf Tagen gescheiterter Putschversuch von Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz, bekannt als Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik. Er zwang die Reichsregierung unter Friedrich  Ebert zur Flucht aus Berlin nach Weimar. Die meisten Putschisten waren aktive Reichswehrangehörige oder ehemalige Angehörige der alten Reichsarmee. Gründe für den Putsch waren die Republikfeindlichkeit sowie die Frustration vieler früherer Soldaten, die nun in etwa 120 Freikorps organisiert waren. Gegen den Putsch formierte sich in allen Teilen der deutschen Bevölkerung massiver Widerstand, besonders aus der organisierten Arbeiterschaft, den Gewerkschaften und linksgerichteten Parteien. In Berlin organisierte sich die Ministerialbürokratie gegen den Putsch und nutzte die Unorganisiertheit der Putschisten aus. Am 14. März 1920 rief die KPD zum Generalstreik auf, der wesentlich zum Erfolg der Putschgegner beitrug und auch in Wismar zur Durchführung kam. Hier ruhte die Arbeit, der Eisenbahnverkehr war eingestellt und es gab kein Wasser und Gas in den Haushalten. Am 18. März 1920 marschierte der Freikorpsführer Leutnant Gerhard Roßbach mit seiner eigens von ihm gebildeten „Sturmabteilung Roßbach“ von Schwerin kommend mit 2.000 Soldaten in Wismar ein. Bei Kämpfen an der Straße und in den Dörfern wurden drei Landarbeiter erschossen. Wie Zeitzeugen berichten, zogen Roßbachs Truppen „grölend durch die Straßen“. Roßbach richtete im Rathaus sein Hauptquartier ein und ließ seine Soldaten nach „Rädelsführern“ suchen. Eigens dafür wurde im Café „Eichholz“ am Markt und im Hotel Stadt Hamburg ein „Kriegs- oder Standgericht“ eingerichtet, das natürlich auch zu Einschüchterungen der Bevölkerung dienen sollte. In Wismar hatte sich unter der Leitung der Gewerkschaft ein Aktionsausschuss gebildet, dem mehrere Organisationen und Parteien angehörten. Da man wusste, dass auf den Gütern um Wismar zahlreiche Waffen vorhanden waren, beschlagnahmte man sehr viele von diesen und rüstete damit die Mitglieder des Wismarer Aktionsausschusses aus. Am 19. März 1920 kam es im Bereich des Soldatenfriedhofes an der Rostocker Straße zu einem Feuergefecht in dessen Folge sechs Wismarer verstarben. Ein siebter wurde gefangen genommen und ermordet. Leutnant Roßbach zog zwei Tage später mit seinen Söldnern aus der Stadt. Sie nahmen die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 von Mecklenburgern erbeutete Kanone aus Metz, die mit den großen „Schwedenkanonen“ vor dem Stadthaus stand, mit. In Roßbachs Wismarer „Hauptquartier“, dem Rathaus, hinterließen sie ein Bild der Verwüstung. Zur Rechenschaft wurde keiner gezogen, denn durch das Amnestiegesetz vom 4. 8. 1920 gingen alle Teilnehmer des Kapp-Putsches  straffrei aus.  Die Wismarer trugen jedoch am Nachmittag des 22. März 1920 ihre sieben Toten, die fortan als „Märzgefallene“ in die Wismarer Geschichte eingingen, unter Anteilnahme von 3.000 Wismarer, die die Straßen säumten, zu Grabe. Sie wurde alle auf einer Grabstelle beerdigt und ein Jahr später am 2. April 1921 wurde das für sie extra angefertigte Grabmal mit allen Namen der Gefallenen auf dem Friedhof eingeweiht. Dieses Ehrenmal haben die Wismarer sehr hoch gehalten, zumal die dort Beerdigten nicht unbedingt einer Ideologie zuzuordnen sind, sondern parteiübergreifend waren. Auch die Nazis haben an dem Grabmal nichts verändert oder die Würdigung verboten. Zu DDR-Zeiten wurde jedoch das Ehrenmal in eine Art „Grabstelle der Sozialisten“ verändert. In der Mitte des Grabmales wurden Erinnerungstafeln an die im KZ umgekommenen Wismarer Johann Frehse und Ernst Scheel eingelassen. Auf dem Gräberfeld wurden dann noch fortan „verdiente Funktionäre“ bestattet. Das ursprüngliche Denkmal erhielt eine zusätzliche Mauer auf der oben Feuerschalen angebracht sind. Es sollte eben ein Ehrenhain werden.

Weitere Ereignisse in dieser Woche:

  1. März 1933 Der evangelische Landesbischof Heinrich Rendtorff schwört die Wismarer Christen auf die nationalsozialistische Bewegung ein. Er tritt aber von den Deutschen Christen zur bekennenden Kirche über und wird auf Druck der mecklenburgischen Regierung im Januar 1934 als Landesbischof entlassen.

24.März 1913 Kauf der 1910 abgebrannten Hammerschen Cichorienfabrik in der Altwismarstraße  8 durch Gustav und Reinhard Braun. Als Lichtfilmtheater „Weltspiegel“  1914 durch die Brüder  Gustav und Reinhard  Braun eröffnet. Kino bis 1993.

  1. März 1909 Abbruch des letzten Restes der Stadtmauer.

 Detlef Schmidt

 

 

 

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