Kalenderblatt zum 9. Januar

Wismarer Theaterbrand 1948

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in den frühen Morgenstunden des 9. Januar 1948 die Nachricht, dass das städtische Theater an der Mecklenburger Straße völlig ausgebrannt war. Wismars Feuerwehr war unermüdlich im Einsatz, konnte jedoch das 1842 erbaute Gebäude nicht mehr retten Als Brandursache sprach man von einem Defekt in der elektrischen Anlage und heute erinnert nur noch der Name des sich dort befindlichen „Theaterparkplatzes“ und der gleichnamigen Gaststätte an das Kulturgebäude.
Wenn man von der Aufführung des „Redentiner Osterspiels“ absieht, begannen ab 1590 die eigentlichen Aufführungen eines weltlichen Theaters. Sie wurden entweder auf dem Markt oder in größeren Sälen aufgeführt. Ein eigenes Ensemble hatte die Stadt natürlich nicht. Man war froh die städtischen Musikanten in Lohn und Brot zu halten. So war man auf die „Wanderkomödianten“ angewiesen, die je nach Aufführungen länger oder kürzer in der Stadt blieben. Räumlichkeiten wurden den Schauspielern dann entweder im Fürstenhof oder auch im „Neuen Bürgerhaus“, dem nachmaligen Hinstorffschen Verlagshaus, Hinter dem Rathaus 15, zur Verfügung gestellt. Doch die Wismarer Bürger waren bekannt für ihre Theaterfreudigkeit und so wurde, weil alle Räumlichkeiten in der Stadt nicht ausreichten, nach Fertigstellung des neuen Rathauses in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der westliche Flügel für Theateraufführungen ausgebaut. Man kann sich heute gar nicht vorstellen, dass in diesem 1828 fertig gestellten Saal rund 700 Zuschauer Platz fanden. Dieser Zustand war natürlich auf die Dauer nicht tragbar. Im Dezember 1838 erwarb die Stadt das Haus mit Garten des Dr. Bade (Ecke Kleinschmiede-, Mecklenburger Straße), um dort ein eigenes Theatergebäude zu errichten. Am 2. Oktober 1842 fand die feierliche Eröffnung statt. Das Gebäude war nach den Entwürfen des Wismarer Baumeisters Heinrich Thormann unter Mitwirkung des Schweriner Hofbaumeisters Demmler errichtet worden. Die Kosten hatten sich während der Bauzeit von 18.000 Talern auf 35.000 Taler erhöht. In diesem Hause fanden nach mehreren Neuerungen bis zuletzt 750 Zuschauer Platz und es war ein repräsentativer Bau. Nach dem Brand des Theaters starteten die Wismarer sofort Pläne zum Bau einer Spielstätte, denn man ging damals von einem Wiederaufbau aus. Ein Haus wurde schnell gefunden – die ehemalige Exerzierhalle der Wangenheimkaserne des ehemaligen II. Bataillon des Infanterieregimentes 89 der Wehrmacht (das ehemalige Kasernengelände beherbergt heute die Hochschule) an der damaligen Parkstraße. Am 27. März 1949 wurde dann erstmalig der Vorhang für Schillers „Maria Stuart“ geöffnet, ein Ereignis, dass besonders in der Nachkriegszeit mit seinen bescheidenen Kulturangeboten wichtig war. Das Stadttheater Wismar bekam endlich auch ein eigenes Ensemble und viele Schauspieler und Sänger, die heute berühmt und bekannt sind oder waren, haben in Wismar ihre Laufbahn begonnen. Das Aus für Wismars Theaterensemble kam 1963 und seitdem ist es eine „bespielte Bühne“ geworden, wo aber auch die „Maaten“ der Niederdeutschen Bühne ihr Domizil gefunden haben.

Detlef Schmidt

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