Kalenderblatt zum 9. November

Mit Podeus kam die Industrie nach Wismar

 Am 9. November 1832 wird Heinrich Podeus in einer alten Schifferfamilie in Warnemünde geboren. Heinrich Podeus fuhr wie seine Vorfahren als Seemann von Rostock aus zur See und am 7. Dezember1859 erwirbt er auf der Seemannschule in Wustrow auf dem Fischland das Kapitänsexamen für Große Fahrt.

1870 gibt er die Seefahrt auf und erwirbt den Bürgerbrief in Wismar, wo er schon am 27. April 1870  eine Holz- und Kohlenimportgesellschaft gründete. Wismar war gut gewählt, denn seine Frau Franziska, mir der seit dem 24. Januar 1862 verheiratet ist, war die Tochter des Schlachtermeisters Johann Anger auf dem Spiegelberg. Podeus erkannte aber auch die hervorragenden Infrastrukturen mit Hafen und Eisenbahn der damals kleinen Hansestadt und es ist nicht verwunderlich, dass er rückblickend auf sein Lebenswerk als der „Krupp von Mecklenburg“ im guten Sinne genannt wird. Ohne Heinrich Podeus wäre die industrielle Entwicklung Wismars nicht in dem Umfang geschaffen worden. Franziska und Heinrich Podeus hatten drei Töchter und zwei Söhne. Der 1863 geborene Heinrich Podeus d.J. und der 1869 geborene Paul Podeus traten in die Firmen des Vaters ein und führten diese später mit wechselndem Erfolg fort.

1879 kaufte Heinrich Podeus die 1853 gegründete Eisengießerei und Maschinenfabrik von Crull & Co. in Wismar. In dieser Gießerei arbeiteten 1895 200 Beschäftigte. Besonders die Übernahme der Eisengießerei war prägend für den weiteren Unternehmensverlauf. In der Eisengießerei wurden Zulieferungen für Werften, Schiffsneubauten, aber auch für den Häuserbau und die Kanalisation gefertigt. An einigen Wismarer Häusern und besonders alten Schaufenstern kann man Podeus´sche schmiedeeiserne Säulen entdecken. Die Schlossbrücke am Schweriner Schloss ist ebenfalls in Wismar entstanden. 1884 kam ein Säge- und Hobelwerk auf dem Lehmberg an der Straße nach Rostock hinzu und mit der ebenfalls 1884 gegründeten Dampfschifffahrtsgesellschaft hatte Podeus das wirtschaftliche Sagen in der Stadt. Der erste Dampfer war die „Wismar“ und bis 1905 wuchs die Flotte von Heinrich Podeus auf zehn Schraubendampfer mit einer Gesamttonnage von 7.387 RT an. Zu dieser Zeit hatte schon Heinrich Podeus d. J. die Geschäftsführung der Reederei übernommen, der auch auf dem Spiegelberg 57 wohnte.

1893 gründete Heinrich Podeus mit seinem Sohn Paul eine Eisenbahnversuchsanstalt, aus der 1894 die Waggonfabrik hervorging und 1895 der erste Eisenbahnpersonenwaggon gefertigt wurde. Schnell entwickelte sich dieser Unternehmenszweig und durch eine hervorragende Qualitätsarbeit konnte der Absatz sprunghaft gesteigert werden.

Heinrich Podeus mischte sich aber auch in das gesellschaftliche Umfeld ein. Selbstverständlich, dass er nicht nur Mitglied der ehrwürdigen Kaufmanns-Compagnie war, sondern auch zeitweise deren Vorsitz. Dringendes Anliegen von Heinrich Podeus war die Verbesserung der Verkehrswege, sicherlich auch im eigenen unternehmerischen Interesse.

Der am 27. August 1892 gegründete Wismarer Kanalbauvereine geht auf die Initiative von Heinrich Podeus zurück, der die überwiegenden Vorzüge des nie vollendeten Kanales vom Schweriner See an die Ostsee erkannte. Er erweiterte die ehemalige Kanalbauplanung um eine Verbindung in die Elde und somit in die Elbe. Der Elbe-Ostsee-Kanal war für Podeus das Bindeglied zu Wismars jahrhundertelange schlechter Anbindung an das Hinterland, das für jeden Hafen unerlässlich ist. Für seine unablässigen Bemühungen und Verdienste zeichnete in Mecklenburgs Großherzog 1895 in einer Privataudienz mit dem Titel „Geheimer Kommerzienrat“ aus.

Heinrich Podeus starb am 21. Juli 1905 und hinterließ seinen Erben ein gut florierendes Unternehmen. Eine von ihm ins Leben gerufene Stiftung sollte seine Mitarbeiter unterstützen.

Seine Unternehmungen führten seine Söhne Heinrich und Paul fort. Während auf dem Gelände der alten Eisengießerei die Podeus´sche Maschinenfabrik entstand, in der seit 1902 landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, LKW´s und ab 1910 der erste Wismarer PKW gefertigt wurde, wurde das Gelände für die Waggonfabrik zwischen Platter Kamp und Bleicher Weg auf 170.000 Quadratmeter ausgebaut, wovon 50.000 Quadratmeter überdacht waren. In Spitzenzeiten arbeiteten in den Podeus´schen Unternehmen bis zu 1.600 Mitarbeiter. Somit war das Unternehmen führend in der Region aber auch das soziale Engagement des Unternehmens war hervorragend. Von einer Betriebsbibliothek bis hin zu Werkswohnungen waren viele soziale Einrichtungen beispielgebend. In der Waggonfabrik wurde 1909 der 5.000ste Waggon ausgeliefert. Durch verstärkte Innovationen der eigenen Produktpalette gab es viele Großaufträge und man war in der Lage sehr schnell die Produktion auf die jeweiligen Kundenwünsche umzustellen. So lieferte man für Stettin, Rostock und auch Schwerin Waggons für die Straßenbahnen und die neuen S-Bahnen in Hamburg und Berlin erhielten aus Wismar ebenfalls ihre Waggons. Exporte gingen nach Holland und Dänemark, sowie bis nach China. Die Wismarer hatten sich einen Ruf in der Qualität erworben und das zahlte sich aus. 1911 wurde die bis dahin Eigentümer geführte Waggonfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Bis zum I. Weltkrieg lief die Produktion auf hohen Touren und während des Krieges baute man hier auch Fahrzeuge für das Heer. 1917 verließ der 10.000 Waggon die Hallen am Platter Kamp. Nach dem I. Weltkrieg erhielt die Wismarer Waggonfabrik steigende Aufträge von der Reichsbahn. Deutschland hatte als Kriegsverlierer unter anderen 50.000 Waggons an die Siegermächte abzuliefern. Die Belegschaft wurde aufgestockt und da die alten Hallen, die um 1900 errichtet wurden, zu klein waren, baute man über die alten Hallen 1922 die neue Halle darüber. Hier wurden moderne Waggons, vom Speisewagen bis zum Salonwagen, gebaut. Es entstanden hier in den kommenden Jahren auch Omnibusse, wie die nach Berlin ausgelieferten Doppelstockbusse und die bekannten dieselbetriebenen Eisenbahntriebwagen, die sogenannten „Schweineschnäuzchen“. Nach dem II. Weltkrieg wurde die Wismarer Waggonfabrik aufgelöst, die Unternehmen aufgeteilt. Es entstand an der Dr.-Leber-Straße der „Alubau“ und zwischen Platter Kamp und Kanalstraße auf dem Gelände der Waggonfabrik gab es das Press- und Schmiedewerk „Hein Fink“ und das Zweigwerk des Dieselmotorenwerkes Rostock. Hier hat sich heute das Unternehmen Schottel, das die weltweit gefragten Schiffsantriebe herstellt, angesiedelt. Am 29. März 1906 erhielt eine Straße den Namen „Podeusstraße“, die zu DDR Zeiten in „Werkstraße“ umbenannt wurde. Seit dem 1. Juli 2000 wieder in Podeusstraße.

Was sonst noch geschah:

  1. November 1936 Wismar darf den Zusatz „Seestadt Wismar“ verwenden.
  2. November 1938 Aktionen der Nazis gegen jüdische Geschäftsinhaber wie Löwenthal, Lindor und Blaß. Deren Läden werden geschlossen.
    11. November 1865 Regionalhistoriker Gustav Willgeroth geboren.
  3. November 1989 Erstes Gespräch zwischen dem Neuen Forum und dem Rat der Stadt Wismar.
  4. November 1872 Schwere Sturmflut mit 306 cm über normal in Wismar.
  5. – 20. November 1949 1. Wismarer Wirtschaftsschau mit Lübeck.
  6. November 1910 Einweihung des Laboratoriums der Ingenieurakademie am Baumweg.
  7. November 1887 Eröffnung der Bahnstrecke Wismar-Karow.
  8. November 2000 Das Seniorenheim Haus Wendorf, Rudolf- Breitscheid- Str. 62, wird als Neubau mit 81 Pflegeplätzen eröffnet.
  9. November 1908 Einweihung des neuen Bahnhofes mit Unterführung.
  10. November 1989 Oberbürgermeister Günter Lunow, geb. 12.11.1926, wird durch die Stadtverordnetenversammlung Wismar abberufen. Er hatte das Amt vom 15. April 1969 bis 15.11.1989. Sein Stellvertreter, Wolfram Flemming, wird bis zur Neubesetzung am 30. Mai 1990, kommissarisch eingesetzt.
  11. November 1994 Grundsteinlegung für die „Kompaktwerft 2000“ mit Dockhalle durch Ministerpräsident Dr. Berndt Seite.
  12. November 1989 Das Neue Forum bildet einen Sprecherrat mit: Fritz Kalf, Ulrich Bäcker, Guntram Erdmann, Thomas Beyer, Frank Wiechmann.
  13. November 1989 Gründung der SDP (später SPD) in der Heiliggeistkirche für Stadt und Kreis Wismar.
  14. November 1995 Grundsteinlegung für die Median-Klinik im Stadtteil Wendorf.
  15. November 2000 Einweihung des Freizeitbades „Wonnemar“.

Detlef Schmidtt

 

 

 

 

 

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