Kalenderblatt zum 1. März

Kalender zum 1. März

Bockwurst nur mit Lebensmittelmarken
Am 1. März 1991 übernimmt Karstadt wieder sein altes Haus

Karstadt und Wismar ist nahezu ebenso ein untrennbarer Begriff wie Wismar und sein Hafen

Am 14. Mai 1881 eröffnete der aus Grevesmühlen stammende und in Schwerin aufgewachsene Rudolph Karstadt mit seinen Geschwistern, 25jährig ein „Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft“ in der Krämerstraße 7. Seine strikt durchgeführte Geschäftsphilosophie, die „Waren werden zu festen Preisen verkauft und sind sofort bar zu bezahlen“, war für die kleine mecklenburgische Stadt nahezu revolutionär. Die Wismarer schienen zu handeln wie auf ei-nem arabischen Basar und schrieben an! Damit war bei Karstadt Schluss. Rudolph Karstadt eröffnete in rascher Folge Geschäfte in ganz Norddeutschland, zuerst in Lübeck, und am 5. April 1907 erfolgte der Abbruch der 1897 erworbenen Häuser in der Lübschen Straße 3, Ecke Krämerstraße für den ersten Kaufhausneubau in moderner Stahlskelettbauweise.
Die feierliche Eröffnung des neuen Kaufhauses fand nur ein Jahr später am 23. Mai 1908 statt. Was mögen die Wismarer über die ungewöhnlichen Schaufensterauslagen gestaunt ha-ben und erst recht zu dem Angebot. Dazu ein Fahrstuhl, der die Kauffreudigen in die einzel-nen Etagen brachte. Sicherlich waren nicht alle erfreut über den starken Wettbewerb. Beson-ders nicht die kleineren Händler. Doch das ist längst wieder Geschichte. Das Wismarer Karstadt Kaufhaus ist jahrzehntelang architektonisches Vorbild für andere Karstadt Kaufhäuser gewesen. Rudolph Karstadt selbst schied 1932 in der Weltwirtschaftskrise mittellos aus sei-nem eigenen Unternehmen aus und zog nach Schwerin, wo er sich im hohen Alter noch im Immobiliengeschäft betätigte und am 19. Dezember 1944 wohlhabend verstarb.
Die Karstadt AG wurde nach dem Krieg in der sowjetischen Besatzungszone enteignet und die Kaufhäuser wie Wismar am 16. Januar 1948 dem „Volkseigentum“ überführt. Die in Essen ansässige Konzernzentrale der Karstadt AG protestierte am 11. Oktober 1949 vergeblich da-gegen. Das Wismarer Haus firmierte ab dem 9. August 1948 unter dem Namen „VEB Meck-lenburgisches Kaufhaus“. Hier zog die nach dem Krieg gegründete Handelsorganisation (HO) ein und am 3. Dezember 1952 wurde das neue HO-Warenhaus nach Um- und Neubauten er-öffnet. Das breit aufgestellte Sortiment konnte sich sehen lassen – vom Teppichangebot in der 3. Etage bis zum Bockwurstimbiss im Erdgeschoss – die Bockwurst noch auf Lebensmarken. Es war eben die „schlimme Zeit“ nach dem gerade erst beendeten Krieg. Die HO benannte ihre Warenhäuser in den Bezirksstädten „Centrum-Warenhäuser“ und in den Kreisstädten wie Wismar hießen sie später „Kaufhaus Magnet“. Für die Wismarer hieß es aber entweder „Kar-stadt“ oder das „große HO“. Die „Wende“ ab 1989 brachte gesellschaftliche und wirtschaftli-che Umbrüche und die Karstadt AG mit Sitz in Essen war natürlich bestrebt, ihre ehemaligen Unternehmen wieder zu betreiben, befanden sie sich doch nahezu ausnahmslos in den 1-A-Lagen. Da eine Übertragung des Eigentumes wegen der rechtlich anerkannten Enteignung nicht möglich war, musste die Karstadt AG ihre Unternehmen zurückkaufen. Für Wismars Kaufhaus, dem Stammhaus des Unternehmens, war ein zweistelliger Millionen DM-Betrag fällig, den das Unternehmen auch an die Treuhand bezahlte.
Am 1. März 1991 übernahm die Karstadt AG offiziell wieder ihr altes Stammhaus in Wismar und die Fassadeninschrift „Kaufhaus Magnet“ wurde entfernt. Für viele Wismarer war dies ein freudiges Ereignis, hatten sie doch sich immer zu „Karstadt“ trotz Namenswechsel hinge-zogen gefühlt. Am 14. Mai 2001 erhielt der Platz vor dem Kaufhaus die Bezeichnung „Ru-dolph-Karstadt-Platz“. Wismar und Karstadt gehören eben zusammen.

Detlef Schmidt

 

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