Europäisches Backsteinzentrum e.V.

   Das Europäische Zentrum der Backsteinbaukunst e.V.

Auf Initiative von Herrn Prof. Gottfried Kiesow ,Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, wurde am 06.April 2005 das Europäische Zentrum der Backsteinbaukunst e.V. gegründet.
Gründungsmitglieder waren außerdem Prof. Dr. Andrzej Tomaszewski ,der bekannte polnische Denkmalpfleger sowie Herr Enald Falkenlöwe, Seniorchef des dänischen
Ziegelherstellers Falkenlöwe.

Was war der Anlass für die Gründung?
Nach vielen Jahren des Verfalls in der Zeit der DDR begannen ab 1990 die Sanierungen und Restaurierungen von vielen historischen Backsteinbauten. Die entsprechend notwendigen handwerklichen und bautechnischen Fähigkeiten und Fertigkeiten waren zwischenzeitlich verloren gegangen und mussten neu erarbeitet werden.

Die im Wiederaufbau befindliche spätgotische Backsteinkathedrale St. Georgenkirche in Wismar war zu dem Zeitpunkt das größte Förder- und Bauprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Zeitgleich und in unmittelbarer Nachbarschaft erfolgte die Sanierung des Turmes der Marienkirche und es wurden im Kirchenschiff archäologische Grabungen zur in der DDR 1960 gesprengten Marienkirche durchgeführt. Beide gemeinsam und mehrere andere gotische Bauten wie das Archidiakonat, die Kapelle Maria Weiden, die gotische Superintendentur und die Alte Schule bildeten vor der Kriegszerstörung das „Gotische Viertel“

Wismar bot somit alle Möglichkeiten für archäologische und bauphysikalische Untersuchungen und stand außerdem beispielhaft in der Reihe der großen Backsteinkirchen und der historischen Backsteinarchitektur zwischen Lüneburg im Westen und Greifswald im Osten des Landes.

Wege zur Backsteingotik
Vorausgegangen war der Gründung des Europäischen Zentrums der Backsteinbaukunst e.V.
die umfängliche Vorarbeit zur Ausstellung „Wege zur Backsteingotik“. Sie offenbarte den Bedarf an weiterer Befassung mit diesem Baumaterial.
Die Ausstellung war ein Gemeinschaftsprojekt der Länder Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, des NDR und der Hansestädte Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald.

Europäische Route der Backsteinbaukunst
Nachfolgend und folgerichtig wurde aus den „Wegen zur Backsteingotik“ die „Europäische Route der Backsteingotik“.

Backstein als universeller Baustoff
Backstein ist aber nicht nur das Baumaterial der Gotik, sondern alle Baustile haben diesen Kunststein für ihre Bauten verwendet, so wurde unter allen Beteiligten das Thema der Backsteingotik auf die Backsteinbaukunst ausgeweitet.
Seit Mitte des 12. Jahrhunderts nutzen die nordeuropäischen Städte und Siedlungen für ihre großen Bauaufgaben den Backstein als bevorzugtes Material. In vielen Gebieten ist der Backstein zu der Identität stiftenden Material geworden.
Diese Baukultur muss gepflegt, erforscht und bewahrt werden.

Wer braucht so ein Backsteinzentrum?
Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Architekten, Stadtplaner und Tourismusexperten, Städte, Regionen und einzelne Länder beschäftigen sich immer wieder mit dem Thema Backstein und brauchen Plattformen zur Kommunikation
Es hat viele Versuche gegeben, alle diese Untersuchungen, Forschungen und Betrachtungen zusammenzuführen.
Darum haben sich besonders als Protagonisten für die Backsteinbaukunst
Prof. Gerhard Eimer /Frankfurt/Main, Prof .Gottfried Kiesow ,Wiesbaden, Prof. Ernst Badstübner, Greifswald , Dr. Rehm von der Nord LB und Prof. Andrzej Tomaszewski ,Warschau bemüht.
Die Marienburger Initiative von 1996 blieb leider ohne Fortsetzung.
Erstmals ist es in Wismar gelungen mit 13 Backsteinkongressen in Folge Ort und Thema zu verstetigen.

Ehrenmitglieder des Europäischen Zentrums der Backsteinbaukunst e.V.
sind Prof. Dr. Ojars Sparitis, Präsident der Akademie der Wissenschaften, Riga ,Lettland und Prof. Wladimir Gilmanov, Staatliche Immanuel Kant Universität, Kaliningrad, Russland

Das Europäische Zentrum der Backsteinbaukunst e.V. ist auf Langfristigkeit angelegt und wird mit einer Gruppe von Kunsthistorikern, Architekten, Kommunalpolitikern, Baufachleuten, Bauunternehmern und interessierten Laien organisiert.

Aktivitäten des Backsteinzentrums
Neben der Vorbereitung und Teilnahme an den Backsteinbaukunstkongressen, sind eigene Veranstaltungen und Teilnahme an Initiativen und Projektarbeit anderer Organisationen und Institutionen Grundlage für die programmatische Arbeit des Zentrums

Dr. Rosemarie Wilcken
Wismar, den 16.09.18

Argumente für ein Backsteinzentrum:

Das Gründungsmitglied Prof. Andrzej Tomaszewski entwarf gemeinsam mit Prof. Gottfried Kiesow Strategien für den Denkmalschutz entsprechend der Bauaufgaben der Nachwendezeit. Dazu gehörte auch das Bauen mit Backstein.

Zitat:

Diese Tagung hat eine wenig bekannte, bald dreißigjährige Vorgeschichte. Am Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ergriff der damalige Vorsitzende der deutschen UNESCO –Kommission , der bekannte Gotik-Forscher Prof. Otto von Simon , eine diplomatische Initiative , um eine internationale Backsteingotik Konferenz zu organisieren. Das Ziel dieser Konferenz sollte nicht nur einen wissenschaftliche sein. Von der überstaatlichen Verbreitung dieser Architektur im durch den Eisernen Vorhang geteilten Europa profitierend, wollet man ein Treffen von Kunsthistorikern aus beiden damaligen deutschen Staaten , aus Polen und aus den baltischen  Republiken der Sowjetunion ermöglichen, um sie auf diese Weise für eine internationale Zusammenarbeit zu gewinnen.

Das einzige Land, wo damals eine solche Konferenz denkbar gewesen wäre ,war Polen. Das Regime von Edward Gierek , das große Kredite von der Bundesregierung  bekam, akzeptierte den westdeutschen Vorschlag. Die polnische UNESCO –Kommission bekam die Erlaubnis, die Konferenz zu organisieren.

Im Jahre 1979 wurde ich von Prof. von Simon zum Organisatorenkreis hinzugezogen .Ich sollte die Gespräche in Moskau zwecks Teilnahme der baltischen Kollegen an der Tagung übernehmen. Die sowjetische Antwort war ein rigoroses „Nein“. So durften auch die DDR –Kollegen nicht kommen. Die Idee wurde daher fallengelassen.

Aber vor zehn Jahren, im schon vereinigten Europa haben wir in Polen den Gedanken des inzwischen verstorbenen Prof von Simon doch noch aufgenommen. Im Herbst 1996 fand in Marienburg/Malborg die Internationale Konferenz „Backstein in der Architektur Ostmitteleuropas“ statt, von der nach ein paar Jahren ein Buch erschien. Unsere Hoffnung, mit dieser Konferenz eine regelmäßige Zusammenarbeit zu initiieren ,hat sich aber nicht erfüllt.“      Zitat Ende