Straßen & Brücken

Wismars Altstadtstraßen – Schulen –  Brücken

Stadtplan von 1936

„Straßennamen sollte man unter Denkmalschutz stellen“, so der  Feuilletonist Heinz Knobloch vor Jahrzehnten über seine Stadt Berlin. Die durch politische und wirtschaftliche Einflüsse umbenannten Straßennamen seit dem 19. Jahrhundert bedeuten teilweise einen großen Verlust an Ursprünglichkeit und Identität, die den einmal gegebenen Namen für eine Straße hat. Er erkannte den Wert der Namen, die so viel über den Ort berichten können und lebendige Fundstücke in der Geschichte einer Stadt sind. Straßennamen sind unbewusste Träger der Geschichte und manch Bürger ist sich nicht bewusst, wie oft er an einem Tag einen Straßennamen ausspricht

Die Hansestadt Wismar besitzt einen reichen Fundus solcher Namen, von denen die meisten unangetastet seit über 700 Jahren ihren Namen beibehalten haben.  Der Welt-Kulturerbe-Status für die Hansestädte Wismar und Stralsund wurde ja auch nicht wegen gut sanierter Häuser verliehen, sondern um der Einzigartigkeit des Erhalts eines mittelalterlichen Grundrisses.

Heute hat Wismar 366 Straßennamen und jeder neue Name wird sorgfältig ausgewählt, ehe in die Wismarer Bürgerschaft bestätigt. In diesem Beitrag werden die alten Straßennamen, die Wismarer Altstadtbrücken und die Altstadtschule erwähnt.

ABC-Straße
Sie fand erste urkundliche Erwähnung um 1279 als „Straße hinter den Minderbrüdern“ oder „achter den grauen monken“, nach dem dahinterliegenden Grauen Kloster der Franziskaner.
Nach der Reformation errichtete die Stadt hier Mietshäuser, deren Einnahmen für die im alten Kloster errichtete Stadtschule verwendet wurden. Die Häuser wurden mit den Buchstaben von A bis M gekennzeichnet und schnell entstand der Name ABC-Straße.

Altböterstraße
Sie wird zuerst um 1342 als „Judenstraße“ bezeichnet, da Juden in Wismar unter dem besonderen Schutz der Landesherren standen, der jedoch nach der Pest von 1350 verloren ging. Nach der Vertreibung der Juden siedelten sich dann in dieser Straße die „Altböter“ an, sie reparierten alte Schuhe oder auch „olle Botten“. Die erste Straßenbezeichnung nach ihnen ist um 1470 vorzufinden.

Altwismarstraße
Die Altwismarstraße wird schon um 1250 in der lateinischen Bezeichnung Stadtbuch als „antique wismarie“ genannt. Seit dieser Zeit ist der Name, wie 1490 beschrieben, „Olde-Wismarstrate“, geläufig, deren Name nach dem östlich der Stadt gelegenen ehemaligen „Alt-Wismar“ verweist.

Am Hafen
Diese Straße zwischen Wassertor und Breite Straße ist verwaltungsrechtlich jung, aber historisch gesehen so alt wie der Wismarer Hafen. Am 4. Januar 1211 bestätigte im italienischen Capua Kaiser Otto IV. eine Urkunde vom 23. Mai 1209, die er als König Otto in Goslar ausstellte zur Bestätigung des Bistums Schwerin, die „den lieben Bürgern zu Schwerin eine beliebige Anzahl von kleineren Schiffen und zwei größeren Schiffen im Hafen von Wismar zu halten“ gestattet. Diese Urkunde geht aber auf eine Fälschung zurück, die durch eine falsche Abschrift einer Urkunde von 1167 entstanden ist.
Gelegentlich wurde die Straße, ähnlich wie auch in Rostock, „am Strande“ genannt.

Am Katersteig
Den nach dem Abriss der Stadtmauer neuen Verbindungsweg zwischen Mecklenburger Straße zur Dr.-Leber-Straße hin gab der Volksmund 1902 den Namen „Katersteig“. Der Name bildete sich aus einem früher überlieferten Namen „Katthagen“. „Katten“ nannte man Steinbrocken, die ähnlich wie die „Blieden“, als Munition in den Katapulten der nahe gelegenen Stadtmauer eingesetzt wurden.

Am Lohberg
Um 1437 erstmals in einer Urkunde als„supra Loberge“ erwähnt, ist eine Erklärung unklar. Ein Zusammenhang mit den Gerbernund der von ihnen verwendeten Lohe, wäre nicht richtig, da Gerber hier nicht nachzuweisen sind.

Am Markt
Der Wismarer Markt mit seinen 10.000 Quadratmetern ist schon zur Stadtgründung als solcher angelegt worden. Im ersten Stadtbuch 1255 wird er als „forum“ bezeichnet.
Hier befindet sich bis heute der politische und gesellschaftlicher Mittelpunkt Wismars.

Am Platz
Diese Straßenbezeichnung ist erst zum Ausgang des 19. Jahrhunderts zu finden. An dieser Stelle befand sich ein ziemlich „wüster“ Platz, der neben der Lagerung von Baumaterialien unter anderem auch zum Schuttabladen verwendet wurde.

Am Poeler Tor
Die Straßenbezeichnung entstand erst nach dem Abbruch des ehemals sehr repräsentativen Poeler Tores am 15. Januar 1870. Davor hieß sie „vor dem Poeler Tor“. Man findet diese Bezeichnung um 1250 schon recht früh als „ante portam Haroldi“, denn das Poeler Tor wurde auch „Haraldstor“ genannt. Ab 1460 gibt es die Straßenbezeichnung „vor dem Poledore“. Diese galt bis zur Schweinsbrücke hin.

Am Schilde
Um 1359 ist die erste Bezeichnung als „Reynerus de schilde“ nachweisbar und
später „by deme schilde“, 1448 auch „up dem schilde“ sowie bis 1562 „auffm schilde“. Die Straßenbezeichnung soll auf die Ähnlichkeit mit einem mittelalterlichen Schild als Teil der Ritterrüstung zurückgehen.

Am Ziegenmarkt
Dieser Name im Wismarer Hafenviertel existiert erst seit etwa 1750. Davor sind erste Bezeichnungen um 1290 als „apud pontem Radolfi“, was „bei der Radolfsbrücke“ heißt, und später um 1435 „bei der breiten Brücke“ oder auch „bey der Ankerschmiede“ bekannt.
Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts tauchte erstmals der Name „Zehgenmarckt“ auf. Wahrscheinlich ist, dass hier für eine bestimmte Zeit mit Tieren, darunter Ziegen, gehandelt wurde, da der Marktplatz für solche Angebote nicht zugelassen war.

Bademutterstraße
Die erste Erwähnung dieser Straße findet man 1323 als die „Straße der Familie Kröpelin“. Ab 1365 ist der Name „bademomenstrate“ nachweisbar. Die Bademutter ist die frühere Bezeichnung für die Hebamme.

Badstaven
Im Wachtregister von 1475 wird die Straße zunächst als „in de stavenstrate“ bezeichnet. Später wurde der Name auf Badstaven erweitert. Hier befand sich eine öffentliche Badestube, von der es 1475 vier in der Stadt gab.

Bahnhofstraße
Wismar erhielt am 12. Juli 1848 den Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz.
Nachdem die Häuserreihe bis zum ehemaligen Poeler Tor im Bereich der vormals hier verlaufenen Stadtmauer fertig gebaut war, benannte man diese Straße 1881 Bahnhofstraße.

Bauhofstraße
In unmittelbarer Nähe der Stadtmauer lag auch diese Straße. Ihre erste Bezeichnung war „hinter der Mauer“. Der städtische Bauhof befand sich hier und ab 1475 ist die Bezeichnung „thegen den holthove“ gebräuchlich. Am 24. August 1876 erhielt die Straße ihren jetzigen Namen.

Baustraße
In der Baustraße wohnten schon im Gründungsjahrhundert viele Ackerbürger
oder „Bau(ers)leute“, daher der schon 1290 erwähnte Name „Baustraße“. Die Baustraße erhielt am 21. Januar 1946 den Namen „Rosa-Luxemburg-Straße“, was 1993 wieder rückgängig gemacht wurde.

Bei der Klosterkirche
Urkundlich wurde diese Straße 1294 als „bei den Predigerbrüdern“ wegen der
unmittelbare Nachbarschaft zur 1297 fertiggestellten Kirche der Dominikaner, die hier ein Kloster errichtet hatten, erwähnt.
Nach einigen anderen Benennungen setzte sich „Bei der Klosterkirche“ durch. Die alte Klosterkirche ist in die heutige Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“ integriert.

Beguinenstraße
1424 taucht der Name der Beguinen, ein äußerst aktiver und bekannter Frauenorden, als Straßenname auf. Die Beguinen besaßen hier schon seit 1288 einen Convent. Die „Beginen“ waren Mitglieder einer Gemeinschaft geistlicher Laien, die ein frommes, ordensähnliches und enthaltsames Leben führten sowie dringend benötigte soziale Tätigkeiten ausübten.

Bergstraße
Die Bergstraße erhielt am 19. Dezember 1899 ihren Namen. Hierbei spielte die kleine Steigung als „Berg“ die namensgebende Rolle.

Bürgermeister-Haupt-Straße
1936 erhielt der Bernittenhöfer Weg zum einhundertsten Todestag des ehemaligen bedeutenden Bürgermeister Anton Haupt seinen Namen. 1976 wurde die inzwischen zweispurig, zeitweilig bis 1959 als Rennstrecke „Hanseatenring“ genutzte Straße, zusammen mit der Straße „Köppernitztal“ willkürlich in „Wilhelm-Pieck-Allee“ umbenannt. Nach der politischen Wende erfolgte durch einstimmigen Bürgerschaftsbeschluss die Rückbenennung beider Straßen in ihre traditionellen Namensgebungen

Bleicher Weg
Erhielt 1896 seinen Namen. Hier befand sich die „kleine Bleiche“ der Färber und Gerber Wismars

Bliedenstraße
1385 „platea bliden“ genannt und 1426 als „blidenstrate“ bezeichnet, deutet der Name auf die im Mittelalter als Verteidigungsmaschine gebaute Schleuder hin. Das ehemalige Bliedenhaus, in dem diese mittelalterlichen Kriegsmaschinen aufbewahrt wurden, lag an der Ecke zur Dankwartstraße hin.

Blüffelstraße
Im Wachtregister von 1475 ist diese Straße zwischen Spiegelberg und St.-Nikolai-Kirchhof erstmals als „Blücherstraße“, nach Hermann von Blücher,einem Bewohner der Straße, erwähnt. Die heutige Straßenbezeichnung „Blüffelstraße“ ist eine Verballhornung des Namens über Jahrhunderte, der sich dann, trotz Gegenwehr von Seiten der Stadt, noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchsetzte.

Böttcherstraße
Die 1260 erstmals erwähnte Straße ist nach den Böttchern benannt, die sich hier vornehmlich ansiedelten. Besonders für das in Wismar reichlich gebraute Bier, das um 1464 in 182 Hausbrauereien produziert wurde, stellten sie ihre Ware her. Schätzungsweise sechs Millionen Liter wurden jährlich in Wismar produziert, und einer Statistik aus dem 17. Jahrhundert kann man entnehmen, dass etwa 320 Liter Bier pro Person und Jahr in Wismar getrunken wurden.

Bohrstraße
1258 hieß sie einfach „große Straße, auf welcher man zur Grube herabsteigt“. Ab 1260 bürgerte sich der Name „Straße gegenüber Bozen Haus“ ein. Hieraus entwickelte sich der heute gebräuchliche Name über 1327 als „Boostrate“ bis 1475 „Borstrate“ zum heutigen Namen, der auf die im 13. Jahrhundert dort wohnende Familie Bote zurückgeht.

Breite Straße
Die Breite Straße hat ihren Namen nach der für mittelalterliche Verhältnisse doch recht ungewöhnlichen Straßenbreite bekommen.
1258 wird sie „salzene Grube“, wegen des dort verlaufenen Wasserarmes genannt, doch schon1400 erscheint die „brede strate“.

Büttelstraße
Sie ist nach den städtischen Bütteln, der mittelalterlichen Polizei benannt, die hier in der im 14. Jahrhundert genannten Frohnerei ihren Sitz hatte. Die Büttelstraße fand 1323 erste Erwähnung, ab 1446 als „bodelstrate“.

Claus-Jesup-Straße
Um 1270 wird sie wegen des dort verlaufenen Wasserlaufes als „Vogtsgrube“ und ab 1400 als „Faule Grube“ bezeichnet. 1875 erhielt sie nach dem deutschen Kaiser den Namen Wilhelmstraße. Am 20. August 1954 wurde sie in Claus-Jesup-Straße umbenannt. Der Webermeister Claus Jesup war der Anführer der Handwerkerunruhen im 15. Jahrhundert und soll an der Faulen Grube gewohnt haben.

Dahlberg
Der „Dahlberg“ erhielt am 22. Oktober 1908 seinen Namen, benannt nach dem schwedischen Festungsbauer Erik Dahlberg.

Dahlmannstraße
Am 1. Dezember 1881 bekam diese Straße nach dem am 13. Mai 1785 in Wismar geborenen Historiker und Politiker Friedrich Christoph Dahlmann ihren Namen. Dahlmann war Wortführer der „Göttinger Sieben“.
Die erste deutsche Verfassung geht auf den Entwurf von Dahlmann zurück und zu Recht wird er als „Vater der deutschen Verfassung“ geehrt.

Dankwartstraße
1260 ist sie urkundlich in der lateinischen Form „platea danckmari“ belegt und wird in über zwanzig Schreibformen bis 1448 als „Danquarstrate“ oder auch 1558 „Danckmeisterstrate“ erwähnt. Namensgeber soll der Wismarer Schmied „Tangmar“ oder „Dangmar“ sein, der um 1260 im unteren Teil der Straße eine Schmiede hatte.
Am 21. Januar 1946 wurde die Straße in „Karl-Liebknecht-Straße“ umbenannt, was 1993 mit der alten Bezeichnung wieder rückgängig gemacht wurde.

Diebstraße
Sie ist erstmalig um 1429 als „platea furum“, woraus man durchaus „Dieb“ ableiten kann, erwähnt, hieß 1475 dann „devestrate“, um später daraus schnell die „Diebstraße“ zu machen. Die Deutung des Namens ist unklar. Angenommen wird, dass man hier Personen unter Kontrolle hatte, die sich leichter Vergehen schuldig machten.

Dr.-Leber-Straße
Die Bebauung dieser Straße erfolgte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts als Villenstraße unmittelbar vor der ehemaligen alten Stadtmauer, die hier abgerissen wurde. Am 22. November 1887 erhielt sie den Namen Lindenstraße. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Adolf-Hitler-Straße umbenannt, heißt sie seit 5. Februar 1946 Dr.-Leber-Straße nach dem im Januar 1945 ermordeten SPD Reichstagsabgeordneten Dr. Julius Leber.

Dr. Unruh Straße
1924 erhielt diese neue Straße am Städtischen Krankenhaus ihren Namen „Dr.-Unruh-Straße“ nach dem in Wismar beheimateten verdienstvollen Mediziner.

Fischerreihe
Diese Straße ist die Verlängerung der Breiten Straße, durch die im 14. Jahrhundert die „salzene Grube“ floss. So heißt diese Straße auch dann „Fischergrube“. Um 1820 bürgerte sich der Name Fischerreihe für diese kleine Straße ein.

Fischerstraße
Die Fischerstraße heißt um 1428 „platea piscatorum“ (Fischerstraße) und 1475 „fisscherstrate“, aber auch „apud murum“ („inder Nähe der Stadtmauer“). Direkt an der Stadtmauer gelegen, hatten hier schon früh Fischer ihre Wohnungen.

Frische Grube
Die Frische Grube ist der längste Abschnitt der aus drei Teilen (Mühlen-, Frische und Runde Grube) seit 1255 schon vorhandenen künstlich angelegten Stadtgrube. Die Frische Grube hatte „frisches Wasser“, was schon 1255 mit „recens fossa“ erwähnt wird. Sie lieferte das frische Süßwasser, das für die zahlreichen Brauhäuser wichtig war.

Gartenstraße
Die Gartenstraße wurde zwischen 1901 und 1910 mit Villen bebaut. Sie war eine kurze Verbindungsstraße zwischen Turmstraße und Lindenstraße. Am 25. August 1944 wurde sie derart beschädigt, dass nur noch Ruinen übrig blieben. Heute nicht mehr existent.

Gerberhof
26. April 1907 Bezeichnet nach den hier ehemals vorhandenen Gerberhöfen.

Gerberstraße
Sie wird 1260 als „strata cerdorum“ und 1475 „gherverstrate“ sowie bis 1483 als „gerwerstrate“ erwähnt. Gerber betrieben hier ihr Gewerbe und hatten in dieser Straße auch ihr Zunfthaus. Dort wurden die Arbeiten gemeinschaftlich verrichtet.

Glatter Aal
Den „Glatten Aal“ gibt es auch in anderen Städten und die Herkunft ist unklar. Erste Erwähnungen gibt es als „im gladen ale“ und „by dem gladen ale“ um 1454 für diesen schmalen und abschüssigen Durchgang. Vermutet wird, dass die Bezeichnung auf die Ähnlichkeit des „glitschigen“ längeren, abschüssigen Weges mit einem Aal durchaus zutreffend ist.

Goethestraße
Am 22. Oktober 1908 erhielt diese Straße den Namen „Fürstengarten“. Hier war ursprünglich Großherzogliches Gebiet. Nach 1945 erhielt sie den Namen Goethestraße.

Grothusenschanze
26. April 1907 bezeichnet nach der schwedischen Befestigungsanlage

Große Hohe Straße
1287 wird sie als „Straße am Haus von Heinrich Brakel gegenüber der Kirche des Heiligen Georg“ benannt und 1421 als „Hohe Straße, durch die man vom Georgenkirchhof nach der Lübschen Straße geht“, aber dann 1441 einfach als „hoge strate“. Zur besseren Unterscheidung in Hinblick auf die Kleine Hohe Straße erhielt sie dann den Namen „Große Hohe Straße“.

Großschmiedestraße
1260 wird die „platea fabrourum“ und 1375 die „Smedestrasze“ erwähnt. Hier
befand sich die städtische Schmiede. Aus der „smedestrate“ von 1385 wurde 1750 die „Grodt-Schmiedt-Straße“, woraus dann später die „Großschmiedestraße“ entstand. Das „groß“ bezieht sich bei dieser Straße nur auf die Breite und Länge, hat also nichts mit den Grobschmieden zu tun.

Grüne Straße
Sie wird 1283 als „Straße hinter St. Marien“ erwähnt und auch noch 1323 so genannt, aber schon im Wachtregister von 1475 wird sie mit „ghrone strate“ bezeichnet. Namensgeber ist der „Grüne Hof“. Der „grüne hoff mit synen boden“ war das Eckgrundstück zur Papenstraße und hier stand auch zeitweilig das Werkhaus von St. Marien.

Grützmacherstraße
Die Grützmacher stellten die Grütze her, die zur notwendigen Nahrung und als
Schiffsproviant diente. In der Wismarer Grützmacherstraße, die 1408 erstmalig
erwähnt und 1475 als „ghruttemakerstrate“ bezeichnet wird, hatten Mitglieder der Zunft ihren Wohnsitz.

Hegede
Die Hegede wird 1325 erstmals als „hegha“ bezeichnet. Der Wismarer Rat ließ als „kommunaler Bauherr“ Anfang des 14. Jahrhunderts für den Marktbetrieb an der westlichen Marktseite Buden errichten. Diese „hegten“ (Abzäunung) so den Markt gegenüber der Straße ab. Daraus entstand der Straßenname „Hegede“.

Heide
Der Name ist bis heute im Unklaren und es kann vermutet werden, dass die Bezeichnung auf einen Personennamen zurückgeht. Erwähnung findet sie 1294 zunächst als „neue Straße gegenüber dem heiligen Geist“ und 1475 wird sie „achter dem hilghem Gheste“ genannt, dagegen ein Teilstück zur Böttcherstraße „vierboden in der boddeker strate bi der heide“. Die Straßenbezeichnung „by der heiden“ hat sich ab 1680 durchgesetzt.

Hinter dem Chor
Als „retro chorum ecclesie Nicolai“ ist dieser Name 1298 urkundlich erwähnt. Er bezieht sich auf die Lage, als hinter dem „Kirchenchor“. Im Stadtbuch von 1680 wird er noch genauer mit „hinterm cohr oder furm Pohler thor“ bezeichnet.

Hinter dem Rathaus
1293 wird diese Straße schon als „retro consistorium“ (wörtlich übersetzt: hinter
dem Versammlungsort) erwähnt. Er bezieht sich damit natürlich auf das schon vorhandene Rathaus.

Hopfenmarkt
Der Hopfenmarkt hat keine Hausnummerierung und findet 1286 als „Platz in der Nähe der Salz Grube“ und 1319 als „forum humuli“ Erwähnung. 1508 heißt er dann in allgemein verständlicher Sprache „hoppenmarket“ und ist damit wieder ein Verweis auf Wismars Bierbrauertradition.

Hundestraße
So deutlich wie 1323 als „hundestrata“ auch in Latein „platea canum“ beschrieben, so unklar ist die Herkunft. Die Straße lag früher direkt an der Stadtmauer und es gibt die Vermutung, dass man hier streunende Hunde bzw. auch zur Jagd verwendete Hunde verwahrte.

Johannisstraße
Diese Straße gehörte zu den „Kirchgangsstraßen“ und so ist ihre Bezeichnung schon 1292 als „Straße von der Lübschen Straße zur Marienkirche“ bezeichnet. Erst 1572 wird sie nach einem Anwohner als „Johannis seine Straße“ genannt.

Kanalstraße
14. Dezember 1905, benannt nach dem vom Mühlenteich abgeleitetem Kanal für den Werksverkehr in der Waggonfabrik.

Kellerstraße
Namensgeber für diese Straße war zunächst die hier stehende Schule von St. Marien und St. Georgen. Sie hieß 1280 „retro scolas“ (hinter der Schule) und später 1475 „achter der schole“. Der heutige Name ist erst ab 1800 nachweisbar. Er bezieht sich auf die hier nachweisbaren Wohnkeller im Armenhaus der Stadt, welches sich dort befand, wo heute die 1935 erbaute Arrestanstalt steht.

Kleine Arbeit
Die Bezeichnungen für die „Kleine Arbeit“ und die „Große Arbeit“, heute der Sportplatz am Kagenmarkt, sind nach den dort angelegten ehemaligen schwedischen Vorbefestigungsanlagen entstanden.

Kleine Hohe Straße
Ihr Name ist auf die, wenn auch geringe, Steigung der Straße zurückzuführen. Um sie von der Hohen Straße bei St. Georgen zu unterscheiden, hieß sie 1465 zunächst „hoge strate by dem vatere“, ehe sich der heutige Name einbürgerte.

Kleinschmiedestraße
Die schon 1440 erstmals erwähnte Bezeichnung „klensmedestrate“ wurde über „Kleine-Schmiede-Straße“ zur heutigen Kleinschmiedestraße. Hier hatten die „kleinen Schmiede“ ihr Zuhause und ihre Werkstätten. Sie verrichteten nicht die groben Schmiedearbeiten, sondern waren die „Schlosser des Mittelalters“.
Hergestellt wurden zunächst Nägel und auch Messer, daher wurde die Straße um 1475 auch „Messerstraße“ genannt.

Klußer Damm
Erhielt um 1920 seinen Namen nach dem Dorf Kluß.

Königstraße
Die Bezeichnung geht auf einen ursprünglichen Personennamen zurück. 1443 wird eine „platea regum“ (Königstraße) erwähnt.
Der an der Ecke stehende „Königsspeicher“ hat seinen Namen nach der Straße erhalten.

Krämerstraße
Diese Straße gehört mit zu den ältesten der Stadt und wird schon um 1260 schriftlich erwähnt. 1467 heißt sie „kremerstrate“ und später 1540 auch „kramerstrate“. Sie ist nach den Krämern, den Händlern des Mittelalters, genannt. In der Krämerstraße 4 gründete am 25. Mai 1881 Rudolph Karstadt sein erstes Textilwarengeschäft, in dem er seine „Waaren zu festen Preisen und Baarzahlung“ verkaufte.

Krönkenhagen
Um 1410 wird die Straße zunächst als „Krömekenhagen“ erwähnt. Es folgen später verschiedene Schreibarten, wie „Kromekenhagen“.
Eine Deutung des Namens ist schwierig. Da mit dem Wort „Krome“ ein
Kran oder Hausaufzug bezeichnet wurde, könnte es sein, dass die Straße daher ihren Namen erhielt. Durchaus üblich waren diese Kräne an den Häusern, um die Lasten in die Speicher zu heben.

Kurze Baustraße
Die Kurze Baustraße oder auch „kordte Bauwstrate“ ist eigentlich die Verlängerung der Baustraße, wird aber kurzzeitig um 1703 auch „hinter dem schild“ genannt. Durchgängig ab dem 18. Jahrhundert ist die heutige gebräuchliche Bezeichnung.

Lübsche Straße
Diese wichtige „Ost-West-Magistrale“ wird um 1260 als „platea Lubicensis“ vom Stadtschreiber eingetragen und 1285 findet man die „Lubecker strate“ und auch „Lubeschestrate“, woraus sich später die „Lübsche Straße“ als noch heute gebräuchliche Bezeichnung entwickelte. Die Lübsche Straße erhielt zwischen 1952 – 1961 den Namen Stalinstraße (von westlichen Ortseingang bis zur Rostocker Straße). Ab 1961 wieder Lübsche Straße (vom Kreisverkehr bis Rostocker Straße. Der Bereich vom Ortseingang West bis in die Stadt wurde in Karl-Marx-Straße benannt. Die Altwismarstraße und Hinter dem Rathaus wurden in Verkennung der historischen Sachbestände miteinbezogen.Nach 1990 wurden die seit Jahrhunderten bestehenden historischen Bezeichnungen wieder eingeführt.
Mecklenburger Straße
Die Mecklenburger Straße wird um 1250 lateinisch als „platea Magnapolensis“, um 1260 als „platea Mekelenborg“ und in heimischer Sprache 1280 mit „Mekelingburgestrate“ recht früh erwähnt. Sie bezieht sich auf die sechs Kilometer von Wismar entfernte „Mecklenburg“ der ersten Fürsten und damit auf die Namensgeber für das sie umgebende Dorf und das heutige Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Mühlengrube
Der Grubenbereich zwischen Mühle und Schweinsbrücke hat seinen Namen
nach der hier erstmalig im 13. Jahrhundert erwähnten Wassermühle. Die Wismarer Grube ist ein im 13. Jahrhundert künstlich angelegter Wasserlauf, der seit 1255 belegt ist. Er diente zum Antrieb der Mühle. Sie war im Besitz der mecklenburgischen Fürsten und ging 1371 in städtisches Eigentum über. 1379 wird sie lateinisch als „fossa molendinorum“ bezeichnet sowie 1455 als „molen growe“.

Mühlenstraße
Die „molenstrate“, so heißt sie erstmalig 1272, hat ihren Namen eindeutig nach der in ihrer Nähe liegenden Grubenmühle, der städtischen Wassermühle“, an der Mühlengrube. Hier hatten die Zisterziensermönche von Doberan einen eigenen Hof.

Negenchören
Diese Straßenbezeichnung ist heute leider kaum erklärbar. Sie wird 1475 als „in de negen kore“ erwähnt. Eine weitere Bezeichnung„Novem chori“ ist auch kaum herzuleiten, da der Chor der St.-Marien-Kirche sich nicht in
unmittelbarer Nähe befindet.

Neue Wallstraße
Die Neue Wallstraße hat am 22. Januar 1901 ihren Namen bekommen, nachdem sie zuvor mit der Wallstraße einen durchgehenden Namen bildete. Der einst die Stadt umgebende Wall, der hier noch deutlich sichtbar ist, war der Namensgeber für die Straße.

Neustadt
Die 1229 erstmals erwähnte Stadt Wismar erweiterte sich ab 1238 westlich und die um 1250 erwähnte Heiligen-Geist-Kirche an der um 1289 benannten „fossa sancti Spiritus“, der „Heilig-Geist-Grube“, befand sich zwischen Alt- und Neustadt. Erst um 1330 wird die Bezeichnung „nova civitas“ (Neustadt) für diesen Straßenzug gebräuchlich und ist bis heute erhalten.

Papenstraße
Der Straßenname weist eindeutig auf dievnamensgebende Geistlichkeit hin und wird schon 1318 als „platea clericorum“ und 1434„papenstrate“ oder später um 1500 auch „presterstrate“ bezeichnet. Hier hatten die Antoniter, ein katholischer Mönchsorden aus Tempzin, bis 1550 einen Hof.

Petriberg
Dieser kleine Straßenzug entstand mit der Entfernung der Stadtmauer an dieser Stelle. Ob hier ein kleines Mauertor der Namensgeber sein könnte (es gibt auch die Bezeichnung „Petritor“), ist nicht nachweisbar. Es kann aber auch ein Hinweis auf einen ehemals vorhandenen Mauerturm sein, von denen es zahlreiche in der Stadtmauer gab.

Philosophenweg
Mit der Bebauung des Philosophenweges begann man im Juli 1906 und gab der Straße im selben Jahr noch diesen Namen. Dieser Verbindungsweg zwischen Altwismar-Vorstadt und Poeler-Vorstadt hieß schon immer im Volksmund „längs des philosophischen Ganges“. Über die Herkunft kann man eigentlich nur spekulieren. Im Bereich des heutigen Kagenmarktes gegenüber dem Gehöft von Övelgünne, befand sich bis 1837 der Turnplatz der Großen Stadtschule.

Platter Kamp
Die Straße erhielt ihren Namen am 3. Juli 1906. Hier hatte ursprünglich der Wismarer Jürgen Plate sein „Kamp“ auch Ackerstück.

Poeler Straße
Die Bebauung der Poeler Straße begann nach dem 1870 erfolgten Abriss des Poeler Tores ab 1881. Zunächst hieß sie „vor dem Pölertor“, danach „Poeler Damm“ und am 1. Juli 1909 wurde sie offiziell durch Ratsbeschluß bis zur „Eisernen Hand“ in „Poeler Straße“ umbenannt.

Podeusstraße
29. März 1906 Benennung der Podeusstraße nach Heinrich Podeus d. Ä.. Zu DDR Zeiten wurde sie in „Werkstraße“ um benannt und seit dem 1. Juli 2000 wieder in Podeusstraße.

Rosmarienstraße
Etwas umständlich war um 1421 die Bezeichnung mit „Straße, welche vom Nikolaikirchhof zu den Barfüßern (Graue Mönche-Franziskaner) führt“. Um 1475 wird sie „de enghe strate“ und sehr deutlich um 1578 die „Kyverwyverstrate“ (Straße der keifenden Weiber!) genannt, ehe sie um 1750 die Bezeichnung „Rosmarienstraße“ erhielt, wofür es kaum Erläuterungen gibt. Es wird vermutet, dass der Name von der in der Küche durchaus gebräuchlichen Gewürzpflanze „Rosmarien“ kommt.

Rostocker Straße
Die Rostocker Chaussee bekam 1901 die ersten Bebauungen und hieß zunächst „Vor dem Altwismar Tor“ ehe sie in Rostocker Straße umbenannt wurde. Ab 1938 wurde stadtauswärts die rechte Seite mit einem ziegelsichtigen Häuserblock bebaut.

Runde Grube
Dieses Teilstück der um 1250 künstlich angelegten Stadtgrube ist deren kürzester Verlauf. Die Bezeichnung rührt daher, dass die Grube hier früher nach der Straße hin „ausbuchtete“, sodass die Grube zwischen „steinerne“ Brücke und Gewölbe wie ein kleiner, runder Teich aussah. In den Wasserleitungsakten von 1653 ist erstmalig der Name „Runde Grube“ verzeichnet, der sich dann auch als Straßenname eingebürgert hat.

Runde Straße
Erhielt ihre Bezeichnung am 14. Dezember 1905 und war eine neu erbaute Verbindungsstraße zwischen Kanal- und Lindenstraße. Am 25. August 1944 wurde diese Straße völlig zerstört und ist nicht mehr existent.

Rudolph-Karstadt-Platz
Zum 120-jährigen Jubiläum der Eröffnung des ersten Geschäftes von Rudolph
Karstadt (1856 – 1944) erhielt der Platz am 14. Mai 2001 den Namen des Gründers dieses internationalen Kaufhauskonzernes. Karstadt startete am 14. Mai 1881 in der Krämerstraße 4 mit einem „Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft“. Am 23. Mai 1908 wurde dann das erste Kaufhaus Wismars und der Firma Karstadt eröffnet. Zugleich war das Gebäude der erste Stahlskelettbau in Norddeutschland.

Salzfässchen
Diese kleine Verbindungsstraße zwischen Marktplatz und Hegede verdankt ihren Namen dem Aussehen eines Hauses. Der Vorgängerbau des 1906 erbauten Hauses Am Markt 9 mit seinem im Jugendstil erbauten Erker ähnelte der Form eines mittelalterlichen Salzfasses. Von 1594 gibt es eine Aufzeichnung, wonach die städtischen Büttel im „soltfatken“ getrunken haben.

Sargmacherstraße
1291 wird sie als „Straße, die zur Marienkirche führt“ umschrieben und erst 1367 folgt die „sarckmaker“ Straße. Die Sargmacher waren im 1285 erwähnten Amt der Kistenmacher oder „Schnidker“ und „Kunthormaker“, wie die Tischler früher genannt wurden, vertreten. Durch die Sargmacherstraße kam man auf den St.-Marien-Kirchhof und praktischerweise boten hier auch die Sargtischler ihre Produkte an.

Schatterau
Die früheste Bezeichnung für diese Straße stammt von 1319. Als „Straße, durch die man zum Schmiedetor und zum Schmiedehäuschen geht“ wird sie 1338 genannt. Der Name der Schatterau ist nicht genau nachvollziehbar, aber als wahrscheinlich wird angenommen, dass es aus dem mittelniederdeutschen Wort „scatrouwe“ kommt, was so viel wie „Lanzenruhe“ bedeutet.

Scheuerstraße
Der Name dieser Straße leitet sich nicht, wie vielfach vermutet, von „Scheuer“ oder „Scheunen“ ab. Die Familie Schur bzw. auch Schuer hatte um die Wende vom 14. Zum 15. Jahrhundert umfangreiche Grundstücke in dieser Straße. Schon 1410 wird sie als „schurstrate“ bezeichnet und urkundlich wird sie 1424 als „schuerstrate“ erwähnt. Der Name „Schürstraße“ ist bis Mitte des 19. Jahrhunderts amtlich und erst danach setzte sich die heutige Bezeichnung „Scheuerstraße“ durch.

Schulstraße
Die Schulstraße gehört zu den ältesten Straßen Wismars und wird 1258 als „apud fratres“, d. h. „bei den Brüdern“ genannt. 1284 wird sie „bei den Minoritenbrüdern“ (Franziskaner) bezeichnet. Eindeutig sind hier die seit 1251 in Wismar ansässig gewordenen Franziskaner gemeint. Am 9. Dezember 1541 wurde die Große Stadtschule im alten Grauen Kloster gegründet. Die Schulstraße selbst wird 1680 als „Schul=Straße olim (ehemals) Münch=Straß“ erwähnt, woraus sich dann die Schulstraße durchsetzte.

Schüttingstraße
Diese kleine Verbindungsstraße zwischen Hegede und St. Marien wird 1392 als „buden in hega apud Arnoldum Remensnider“ erwähnt und später um 1452 auch als „remensniderstrate“. Die Riemenschneider fertigten die ledernen Pferdegeschirre an. 1484 sind in der Straße auch Korbmacher anzutreffen, denn da ist es die „lutke korfmakerstrate“. Aber 1484 heißt es dann „remensniderstrate negst
dem kramerschuttinge“. Der dieser Straße namengebende „Krämerschütting“ oder auch Zunfthaus der Krämer, befand sich in dieser Straße. Das Haus wird 1552 auch als „Krämerkrug“ bezeichnet. Die „Schüttingstraße“ hat alle Bezeichnungen überdauert und überliefert damit einen historischen Begriff, nämlich den „Schütting“ als alten Begriff für einen Versammlungsraum.

Schwartzkopfenhof
26. April 1907 Bezeichnet nach einem Gehöft.

Schweinsbrücke
Die Herkunft des Namens lässt sich eventuell daraus erklären, dass sich vor dem
Poeler Tor einer der Wismarer Schweinekrüge befand. Die vier kleinen vom Bildhauer Christian Wetzel geschaffenen Figuren, die 1996 dort angebracht wurden, ergänzen den Namen vortrefflich.

Schweriner Straße
Die Schweriner Straße hieß früher „Vor dem Mecklenburger Tor“. Nach erfolgter Bebauung ab den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt sie den Namen „Schweriner Straße“ Nach der Einweihung des Gedenksteines für Ernst Thälmann am 6. November 1954 wurde die Straße in Ernst-Thälmann-Straße umbenannt, eine Bezeichnung, die der Schützenweg schon am 19. August 1949 erfahren musste. Im November 1992 wird die Ernst-Thälmann-Straße wieder in Schweriner Straße zurückbenannt.

Speicherstraße
Die Speicherstraße wird 1357 als „spiekerstrate“ recht früh genannt und hat ihren Namen nach den dort um diese Zeit stehenden Speichern.

Spiegelberg
Der Spiegelberg wird 1250 als „mons speculi“ erwähnt und bedeutet übersetzt nichts anderes als „Spiegelberg“. Erklärungen und Deutungen hat es einige gegeben, die jedoch alle nicht historisch nachgewiesen werden konnten. Trotzdem ist der Name noch heute „spektakulär“.

St.-Georgen-Kirchhof
Der die St.-Georgen-Kirche umgebende Straßenzug ist schon um 1270 erwähnt. St. Georgen wurde als Kirche der „Neustadt“ ab 1250 gebaut. Am 14. April 1945 wurde St. Georgen abends gegen 23.30 Uhr durch Luftminen schwer getroffen und erst am 8. Mai 2010 konnte sie nach 20-jähriger Bauzeit wieder für kulturelle und kirchliche Veranstaltungen eröffnet werden.

St.-Marien-Kirchhof
Der St.-Marien-Kirchhof umschließt die St.-Marien-Kirche nördlich und östlich von ihr. Der Straßenzug wird schon um 1272 genannt und natürlich ist der Namensgeber die St.-Marien-Kirche, deren erster Bau unmittelbar nach Stadtgründung um 1250 begonnen wurde.
St. Marien ist, genau wie St. Georgen, am 14. April 1945 durch Luftminen schwer beschädigt worden, jedoch wurde am 6. August 1960 das Kirchenschiff gesprengt. Nur der Turm blieb stehen. Das seit 1990 wieder sichtbar gemachte Kirchenschiff lässt hoffen, dass sich die Wismarer eines Tages wieder ihrer Historie bewusst werden und Teile des Gotischen Viertels aufbauen.

St.-Nikolai-Kirchhof
Schon seit 1272 ist die Kirche der Seefahrer und Fischer hier der Namensgeber der sie umgebenden Straße. Der Bau der jetzigen Kirche ist um 1380 begonnen worden. Schon zwanzig Jahre später konnte man am 27. Mai 1403 den Chor mit dem Hochaltar weihen. Der gut 90 Meter hohe Turm stürzte 1703 teilweise ein und seitdem hat der nunmehr 50 Meter hohe Turm einen Giebelabschluss.

Stavenstraße
Die Stavenstraße ist eine Verbindungsstraße zwischen Baustraße und Neuer Wallstraße und wurde erst um 1900 bebaut. Ursprünglich war die Stavenstraße die Bezeichnung für den jetzigen Badstaven. Nach deren Umbenennung ging diese Bezeichnung auf die nächste Querstraße über, zumal diese schon um 1833
als „Stamerstraße“, höchstwahrscheinlich nach einem Personennamen, genannt wurde.

Tittentasterstraße
Die Tittentasterstraße hat es wirklich gegeben. Es war ein schmaler Durchgang
zwischen Diebstraße und Markt. Die Tittentasterstraße erhielt ihre Benennung deshalb, weil man sich beim Vorbeigehen wegen der Enge des Ganges fast zwangsläufig an der Brust berührte – und die hieß nun mal bei Mann und Frau gleichermaßen die „Titten“. So gesehen ist die Tittentasterstraße ein Denkmal
mittelalterlicher Sprachkultur.

Torney
Die Torney gibt heute noch Rätsel auf und am ehesten könnte der Name aus dem Slawischen stammen und von „turnu“, das bedeutet „mit Dornenhecken bewachsenem Gelände“, zutreffen. Dornenhecken gehörten zu den Verteidigungsanlagen einer mittelalterlichen Stadt.

Turmstraße
Der Straßenname geht auf den sich am Ausgang der Straße befindlichen alten Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert zurück, der im Juli Januar 1960 wegen Baufälligkeit entfernt wurde. Hier befand sich bis 1866 das städtische Gefängnis. Deshalb wurde er auch Gefangenenturm genannt. Die Stadtmauer wurde in diesem Bereich ab 1893 abgerissen und im gleichen Jahr entstanden auch die ersten Häuser „hinter der Mauer“, so die erste Straßenbezeichnung.
Am 16. Januar 1894 erhielt die Turmstraße ihren heutigen Namen.

Turnplatz
Seit dem 18. Oktober 1863 trägt der Platz diesen Namen und wurde auf die umschließende Bebauung angewendet.

Ulmenstraße
Ab 1830 wurde das Gelände zwischen Hafen und Lübschem Tor mit Schutt aus
der Stadt angefüllt, um hier eine Promenade anzulegen. Am 14. Januar 1835 wurde dann eine neue Verordnung „zum Schutze der neuen Anlage betreffend“ bekanntgegeben und die „Neue Promenade“, so der offizielle Name, war entstanden. Noch vor dem Abbruch der Stadtmauer und des Lübschen Tores im Jahre 1869 begann hier 1866 die Bebauung. Da nun schon Ulmen angepflanzt waren, erhielt die Straße am 24. Mai 1876 den Namen Ulmenstraße.

Vor dem Fürstenhof
1325 wird diese Straße erstmalig als „apud curiam nostri Magnopolensis“ und 1394 „gegen dem Mecklenburger Hofe“ erwähnt.
1257 war der mecklenburgische Herzog von seiner Stammburg Mecklenburg in die Nähe Wismars gezogen, und als ab 1276 eine Stadtmauer gebaut wurde, räumte man nach längeren Auseinandersetzungen ab 1329 dem mecklenburgischen Herzog einen Platz zwischen St. Marien und St. Georgen für einen herrschaftlichen Sitz ein. Vom „alten Hof“ führte übrigens bis 1743 ein über die Straße führender überdachter Gang in die St.-Georgen-Kirche.

Wallstraße
Nach dem Adressbuch von 1872 heißt dieser Straßenbereich „hinter der Mauer bei der Baustraße“. Da der Abbruch der Stadtmauer jedoch sehr schnell verlief und die Straße mit Wohnhäusern bebaut wurde, erhielt sie am 24. Mai 1876 den Namen Wallstraße, von der am 22. Januar 1901 wiederum die Neue Wallstraße
als dann eigenständige Straße abgetrennt wurde.

Wasserstraße
Mit der Schaffung seiner Ringstraßen haben die Wismarer dazu beigetragen, dass man auch heute noch sehr genau den alten Stadtmauerverlauf nachvollziehen kann. Die Wasserstraße gehört dazu und der Straßenname, den die Straße am 24. Mai 1876 erhielt, bezieht sich eindeutig auf die nahe liegende Ostsee.

Weberstraße
Die Weber waren im Mittelalter eine starke Zunft und übten ein begehrtes Gewerbe aus. So ist es nicht verwunderlich, dass ihre Straße schon 1273 als „platea textorum“ und 1400 als „weverstrate“ genant wird.

Wollenweberstraße
Die Wollenweberstraße in Wismar ist eine kleine Verbindungsstraße zwischen der Neustadt und der Claus-Jesup-Straße. Um 1446 begegnete man ihr als „her Dyrk Wilden boden in der erskerne“ (Herr Dirk Wilden seine Bude in der Arschkerbe). Das mag zwar direkt klingen, ähnlich wie bei der Tittentasterstraße, doch „erschkarne“ gab es auch in Lübeck und in Stralsund. Nach der Familie Wilden heißt sie 1475 immer noch „Wildenstraße“, aber gleichzeitig auch „kerne“ oder „in der kerne“ (Kerbe), was sich wiederum auf die Lage der Straße bezieht. 1653 heißt sie dann „Düstern“, und dunkel war es mit Sicherheit in dieser kleinen Straße. Diesen Namen hatte die Straße dann bis 1935, bis sie in Wollenweberstraße umbenannt wurde. Wollenweber waren, wie schon beschrieben, an der Faulen Grube (Claus-Jesup-Straße) ansässig.

Zeughausstraße
Die Zeughausstraße wird um 1408 zuerst „platea Ladewici“ und 1449 „Ladewigstrate“ nach einer dort ansässigen Familie genannt. Nach 1475 ist der alte Name durch „hanreigerstrate“ ersetzt, woraus bis 1871 die „Hahnreistraße“ wurde. Dieser Name, dessen Begriff für einen Mann steht, dessen Frau „fremdgegangen“ ist, dem also „Hörner“ aufgesetzt wurden, war dem Wismarer Rat aber dann doch zu direkt. Auf Antrag des Wismarer Rechtsanwaltes Gabriel Lemcke bekam die Zeughausstraße am 10. Juni 1871 ihren heutigen Namen. Dieser Straßenname bezieht sich eindeutig auf das 1700 erbaute schwedische Zeughaus.

Wismars alte Schulen

Mädchen Volksschule
Nach dem auch für Wismar gültigen Schulzwang vom 1. März 1855 wurde auf dem Heiliggeisthof 1856 eine neue Mädchen-Volksschule errichtet. Das Schulhaus wurde 1876 wegen des Platzmangels aufgestockt und die Mädchen-Volksschule am 6. Juli 1889 in die neu erbaute Schule am Badstaven verlegt. 1889 wurde im Schulhaus auf dem Heilig-Geist-Hof die Knaben-Volksschule aus dem Gebäude der St.-Georgen-Kirchspielschule in der Baustraße eingerichtet. 1905 bezog die Knaben-Volksschule ihr neues Gebäude in der Dahlmannstraße, das heutige Gerhart-Hauptmann-Gymnasium. 1908 zog in das Haus die neu gegründete private Ingenieur-Akademie ein.

Ingenieurakademie
Am 9. Mai 1908 schloss Robert Schmidt mit dem Wismarer Rat den Gründungsvertrag und am 26. Oktober 1908 nimmt die neue Ingenieur-Akademie mit dreizehn Studenten in den Lehrrichtungen Maschinenbau und Bauingenieurwesen ihren Betrieb auf. Gründungsort ist die 1855 erbaute ehemalige Mädchenvolksschule auf dem Heilig-Geist-Hof, die vom Rat der Stadt Wismar zur Verfügung gestellt wurde.

Knaben Bürgerschule (Goetheschule)
Am 25. April 1850 erfolgte die Einweihung der Knaben- Bürgerschule im ehemaligen Waisenhaus (seit 1689) in der Kirche des Schwarzen Klosters.
Am 17. August 1880 wurde der Neubau der Knabenbürgerschule, die heutige Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“, durch den Wismarer Architekten Helmuth Brunswig errichtet. Der ehemalige Chor der alten Klosterkirche ist 1908 umgebaut. Er erhielt eine Zwischendecke, wobei das obere Geschoss die Aula und das untere die Turnhalle beherbergt. 1910 ist dann ein dringend benötigter Erweiterungsbau durch Stadtbaumeister Paul Zeroch an der Hofseite zum alten Krankenhaus am Katersteig fertiggestellt werden. 1933 in Horst-Wessel-schule umbenannt, erhielt sie 1948 den Namen Goethe-Schule.

Mädchen Bürgerschule (Fritz-Reuter-Schule)
Am 1. April 1891 ist die Einweihung der Mädchen-Bürgerschule in der Dahlmannstraße. Architekt war Gustav Dehn. Am 2. April 1933 wurde die Mädchenbürgerschule in Adolf-Hitler-Schule umbenannt. Seit dem 15. Oktober 1948 heißt sie Fritz-Reuter-Schule. 10. Mai 1988 Aufstellung und Einweihung der Fritz-Reuter-Büste vor der Fritz-Reuter-Schule. Ursprünglich stand sie im Lindengarten und wurde von Friedrich Zimmermann 1897 für Auguste Hinstorff, Witwe des Verlegers Hinstorff, gestiftet, die sie der Hansestadt Wismar vermachte.

Mädchen Volksschule (ehemals Pestalozzischule)
Am 6. Juli 1889 wurde die Mädchen-Volksschule am Badstaven eingeweiht. Seit 15. Oktober 1948 Pestalozzischule und heute der am 23. Juni1946 wiedereröffneten und am 10. April 1919 gegründete Volkshochschule Wismar im Hotel „Zur Sonne“.

Lyzeum Turnplatz (Musikschule)
Das Wismarer Lyzeum oder auch Höhere Töchterschule ist am 8. Oktober 1907 eingeweiht worden. Hier hatte nach 1945 die Rote Armee ihre Stadtkommandantur. Am 12. Januar 1956 wird die ehemalige sowjetische Stadtkommandantur am Turnplatz wieder als Schule eröffnet. Heute Musikschule der am 1. Juni 1952 gegründeten kommunalen Musikschule Wismar.

Große Stadtschule
Am 12. Oktober 1893 wurde feierlich der Neubau der Großen Stadtschule im ehemaligen Grauen Kloster eingeweiht. Damit hatten die jahrhundertealten Klostergebäude der Franziskaner als Schulgebäude ausgedient. Architekt war Gustav Dehn, der auch weitere Wismarer Schulgebäude in dieser Zeit entwarf. Die Große Stadtschule wird am 29. September 1541 zu Michaelis im Grauen Kloster der Franziskaner gegründet. Seit dem 19. April 1948 heißt die Schule „Geschwister-Scholl Oberschule“ und erhält 1991 den Namen „Große Stadtschule – Geschwister Scholl Gymnasium“.

Knaben Volksschule (Gerhart-Hauptmann-Gymnasium)
Am 2. Mai1905 erfolgte die Einweihung der Knaben-Volksschule (heute Gerhart-Hauptmann-Gymnasium), Architekt Johann Busch. Ab dem 15. Oktober 1948 Gerhart-Hauptmann-Schule und seit 1992 Gerhart-Hauptmann-Gymnasium.
Kochsche Stiftung – Freischule
4. Mai 1795 Gründung der „Kochschen Stiftung“ – erste Volksschule in Wismar (seit 23.11. 1838 in der Mecklenburger Straße als eigenständiges Haus). Benannt nach Pastor Balthasar Koch 31.12.1751 – 15.2.1830.

Evangelische Schule „Robert Lansemann“
Die evangelische Schule am Lehnensruher Weg wurde am 1. Dezember 2005 gegründet und trägt seit 2013 den Namen des ermordeten Wismarer Pfarrers Robert Lansemann.

Brücken in Wismar

Das Stadtumfeld sah vor hunderten Jahren gänzlich anders aus. Wismar war von Wasser umgeben und Wasserläufe durchzogen teilweise Straßen. Wenn man sich heute der Altstadt nähert, überquert man zumeist unbemerkt einen Wasserlauf. Vielfach sind diese eingerohrt unter der Straße liegend. Es gibt sie aber noch die kleinen Brücken, die ganz unbemerkt abseits der Verkehrswege liegen und doch für unsere Vorfahren eine große Bedeutung hatten.
Natürlich fällt einem heute sofort die Hochbrücke über den Mühlenteich ein, aber es lohnt sich die kleinen Grubenbrücken näher anzusehen.

Rolandsbrücke

Diese Brücke befindet sich im Lindengarten neben dem Wasserturm und hat ihren Namen nach dem Wismarer Bäcker Roland, der sich dort 1765 das Leben nahm. Der sich in der Nähe befindliche Wasserturm ist der letzte Wehrturm der alten Stadtbefestigung. der 1682 als Wasserturm hergerichtet wurde. Mit einem Pferdegöpelwerk wurde Wasser aus dem Wasserlauf gepumpt und dann in die hölzernen Leitungen verteilt. 1715 verband man den Wasserturm leitungsmäßig mit der Wasserkunst auf dem Marktplatz. Erst 1873 wurde die „Wasserkunst auf dem Bauhofe“ abgerissen. Neben dem Turm an der Brücke ist ein Stück Mauer erhalten mit einem Spruch: „Der Umgebung zur Zier, Abbruch der Mauer hier, November 1872 im Jahr, als die große Sturmflut war“. Ein etwas verunglückter Reim, der auf zwei Ereignisse aufmerksam macht: Die schwere Sturmflut von 1872 und die Erinnerung an die hier verlaufene Stadtmauer.
Der Lindengarten selbst wurde 1815 als „Naherholungsgebiet“ der Wismarer mit heute vielen seltenen und alten Gehölzen eingerichtet, denn nach der Loslösung von Schweden und den Befreiungskriegen von Napoleon, wollte man die „arg verschlammte“ Umgebung von Wismar verschönern.

Schweinsbrücke

Eine der bekanntesten Brücken dürfte die Schweinsbrücke sein, nicht zuletzt wegen der vier kleinen Figuren vom Bildhauer Christian Wetzel geschaffen und 1996 dort aufgestellt. Es hat sich als schöne Tradition herausgebildet, diese kleinen Schweinchen als Glücksbringen zu berühren, so dass Teile schon sehr blank gerieben sind. Die Herkunft des Brückennamens lässt sich eventuell daraus erklären, dass sich vor dem Poeler Tor einer der Wismarer Schweinkrüge befand. Dorthin wurden die Schweine der Bürger getrieben, um sie außerhalb der Stadt zu weiden.
Das bekannteste Haus an der Schweinsbrücke ist das von Philipp Brandin für den Wismarer Brauherren und Bürgermeister Hinrich Schabbell 1571 fertiggestellte „Schabbellhaus“, dem städtischen Museum, das seit 18. Juni 1933 hier sein Domizil hat.

 

Rote Brücke

Von der Rosmarienstraße führt über die Frische Grube die Rote Brücke und leider liegt deren Namensgebung völlig im Dunkeln, nur, dass diese Brücke im allgemeinen Sprachgebrauch so genannt wurde.

Waagebrücke

Die Brücke zwischen Bohr- und Scheuerstraße ist die Waagebrücke. Hier stand die Ratswaage. Auf der Ratswaage musste nach der Bürgersprache von 1347 alles gewogen werden was über ein Liespfund (ca.7 kg) im Ver- oder Ankauf wog. Der Rat wollte sich schon seiner Steuern sicher sein, Die Ratswaage war in ein über die Grube gesetztes hölzernes Haus untergebracht. Die Ratswaage und der „Stadtwäger“ unterstanden einer strengen städtischen Ordnung, die immer wieder aktualisiert wurde. 1838 wurde das Ratswaagenhaus über der Grube abgebrochen und noch für eine kurze Zeit in die Nähe des ehemaligen schwedischen Packhauses verlegt, bis auch dieses mittelalterliche Relikt 1860 endgültig aufhörte. Die Waagebrücke war bis 1873 aus Holz.
Die „Waagebrücke“ musste ab Juli 2015 komplettsaniert werden. Sie erhielt anstelle der Holzpfähle zwölf Stahlpfähle und ist am 9. August 2016 rekonstruiert dem Verkehr übergeben worden.

Radolfsbrücke oder breite und steinerne Brücke

Die Brücke, die die Grube zwischen Ziegenmarkt und Runde Grube überbrückt wird 1290 Radolfsbrücke genannt und ist auf eine dort ansässige Person zurückzuführen. Um 1435 heißt sie aber schon „breite Brücke“. Die Grubenbrücken hatten eine äußerst wichtige Funktion als innerstädtische „Verkehrsader“. Führten diese doch zwei Stadtteile zusammen. Der Warenaustausch zwischen Hafen und Markt ging nur über diese Brücken. Die „breite Brücke“ wurde 1840 von der „steinernen Brücke“ als Name abgelöst, denn hier ist mit Sicherheit der Bau einer neuen steinernen Brücke ausschlaggebend gewesen.

Wippbrücke oder Wesenbergbrücke

Über diese Brücke fließt heute ein reger Verkehr. Sie überbrückt den Grubenausfluss zum Hafen am Gewölbe. Die Brücke hat ihren Namen nach einem sich dort befindlichen Kran, der „Wippe“ mit dem man Waren aller Art aus den Schiffen und Booten ziehen konnte. Natürlich nahm der Hafenaufseher dafür Geld ein. 1831 war die Nutzung schon so wenig, denn man nahm in diesem Jahr nur sieben Taler ein. Die Wippbrücke wurde aber auch nach der seit 1864 im Gewölbe befindlichen Aalräucherei von Joachim Wesenberg „Wesenbergbrücke“ genannt.
Bei Feueralarm in der Stadt wurde der Auslauf der Grube unter dem Gewölbe durch zwei große hölzerne Tore verschlossen, um das Löschwasser in der Grube zu stauen. Die Holztore waren beim Grubenmüller in der Stadtmühle verwahrt und der hatte die Aufgabe dann, die Tore zum Gewölbe zu transportieren.

Hochbrücke

Am 7. August 1970 wurde in Wismar die mit 400 Metern damals längste Spannbetonbrücke der DDR eingeweiht. Damit endete ein sich immer mehr verschärfendes Verkehrschaos im Durchgangsverkehr nach Rostock und im innerstädtischen Verkehr. Diese Verkehre wurden bis dahin über die Rostocker Straße und den Bahnübergang geführt. Die Bahnstrecke war aber so stark frequentiert, dass man annahm, dass von 24 Stunden die Schranken 20 Stunden geschlossen war, wenn man die bisweilen 210 gezählten täglichen Schließungen als Grundlage nimmt.
Der Bau der Hochbrücke war eines der seltenen nationalen Investitionsvorhaben der DDR, die in einer Kreisstadt getätigt wurden. Der Bau des insgesamt einen Kilometer langen Bauwerkes kostete damals 15,3 Millionen Mark. Wegen des schlechten Baugrundes gab es zwar massive Probleme mit der Statik und der Festigkeit, doch auch bei der zwischen 2004 und 2005 erfolgten Generalsanierung konnte man keine gravierenden Fehler der über „Vierzigjährigen“ feststellen. Sie ist so gut konzipiert und konstruiert, dass auch der in den letzten Jahrzehnten gestiegene Verkehr mühelos aufgenommen werden kann.

Detlef Schmidt